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Vor dem Zelt fossiler Kapitalismus

Drei Klimacamps wehren sich gegen Errichtung neuer Braunkohlekraftwerke

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Umweltaktivisten wehren sich gegen neue Braunkohlekraftwerke im Rheinland, in Mitteldeutschland und in der Lausitz. Sie veranstalten dort Klimacamps. Los geht es am 3. August im Hambacher Forst.

Für Patrick Stölzel vom Klimacamp Rheinland sind die Beweise für den Klimawandel nicht von der Hand zu weisen: »In der Arktis schmilzt das Eis im Rekordtempo.« Eine Ursache dafür sei der enorme CO2-Ausstoß von Braunkohlekraftwerken wie dem im rheinischen Niederaußen. Dort sollen Stölzel zufolge zwei neue Kraftwerksblöcke mit einer Gesamtleistung von 1100 Megawatt entstehen. Dabei stoße das Kraftwerk Niederaußen schon jetzt jährlich 27 000 Tonnen CO2 aus, kritisiert er. Um an die Kohle zu gelangen, werde der ökologisch wertvolle Hambacher Forst, der einmal 5000 Hektar groß gewesen sei, systematisch abgeholzt.

Aktivisten haben ein Waldstück besetzt und dort Baumhäuser errichtet. Jetzt laden sie Gleichgesinnte zum Klimacamp, das bis zum 12. August andauern soll. Als Gegner wird der »fossile Kapitalismus« und konkret der Energiekonzern RWE genannt. Wer mitmachen will, soll sich ein Zelt mitbringen. Wer keins hat, kann auch in einem Baumhaus unterkommen. Bis zu 300 Teilnehmer werden erwartet. Es sind Aktionstrainings sowie eine Fahrraddemonstration vorgesehen. Außerdem steht das Theaterstück »So heiß gegessen wie gekocht. Klimakatastrophe mit Musik« auf dem Programm.

Mit 300 Teilnehmern rechnet auch Christina Eichberger vom Klimacamp Lausitz für das Zeltlager, dass vom 11. bis 19. August im Strombad, einem stillgelegten Schwimmbad in Cottbus, aufgeschlagen wird. Eigentlich wollte man wieder nach Jänschwalde, wo es schon 2011 ein Klimacamp gab. Doch die Gemeindevertreter entschieden dagegen. Als Argument wurde die finanzielle Abhängigkeit vom Energieriesen Vattenfall angeführt. So weit scheine der Arm von Vattenfall zu reichen, kommentierte Eichberger gestern. Sie betonte, die Entscheidung in der Gemeindevertretung sei gegen den mehrheitlichen Willen der Menschen im Ort gefallen. Ganz abschieben lassen sich die Klimacamper aber nicht. Sie möchten am 17. August vor dem Kraftwerk Jänschwalde demonstrieren.

Zwar wollte Vattenfall ein neues Kohlekraftwerk in Jänschwalde nur mit der CCS-Technik errichten, damit klimaschädliches CO2 nicht in die Luft geblasen, sondern abgetrennt und unterirdisch eingelagert wird. Die CCS-Technik ist aber in Deutschland nicht mehr durchsetzbar. Sie gilt deshalb als gescheitert. Demnach wäre der Widerstand überflüssig, weiß Eichberger. Doch sie misstraut dem Energiekonzern. Vattenfall wolle doch nur abwarten, bis sich die Wogen geglättet haben und dann auch ohne CCS bauen.

In Mitteldeutschland haben es die Klimaschützer mit der Mitteldeutschen Braunkohlen AG (MIBRAG) zu tun. Diese sei in der Gegend übermächtig und dringe mit ihren Ansichten bis in die Schulen vor, berichtete Annika Rothe vom Klimacamp Hohenmölsen. Dazu soll das Treffen vom 20. bis zum 26. August ein Gegengewicht bilden. Hohenmölsen liegt im Süden von Sachsen-Anhalt bei Zeitz und gar nicht so weit entfernt von Leipzig. Unweit von Hohenmölsen befindet sich Profen, wo die MIBRAG ein neues Braunkohlekraftwerk mit einer Leistung von 660 Megawatt errichten will, wie Rothe sagte. Dies werde als Beitrag zum Klimaschutz ausgegeben, weil das moderne Kraftwerk zwei bis drei veraltete Kraftwerke ersetzen würde. Doch das moderne Kraftwerk würde wegen seiner Größe allein mehr Kohlendioxid ausstoßen als die drei alten zusammen. Außerdem wäre ein neuer Tagebau erforderlich und dem müssten der Geburtsort des Philosophen Friedrich Nietzsche und sieben weitere Orte weichen, erklärte die junge Frau.

In Hohenmölsen sind Zelte nicht erforderlich. Die Klimaschützer richten sich hier im ehemaligen Landratsamt ein. Das Gefühl wird aber wie beim Camping sein, sagte Rothe, denn in dem Gebäude fehlen Möbel. Man rechnet für das erste Klimacamp an diesem Ort bescheiden mit 30 Teilnehmern, hätte aber Platz für 50.

klimacamp.ausgeCO2hltl.de, lausitzcamp.de, zukunftsbund-luetzen.de

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