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Der Anfang ist gemacht

Neue Mannschaft und neuer Trainer des SV Babelsberg holten den ersten Heimsieg

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Mit dem ersten Sieg im ersten Heimspiel hat sich der SV Babelsberg (SVB) eine gute Ausgangsposition für die Drittligasaison 2012/13 verschafft. Nach der etwas unglücklichen 0:1-Niederlage in Chemnitz am vergangenen Samstag wollten die rundum erneuerten Nulldreier Zuversicht im Umfeld des Potsdamer Kiezklubs verbreiten. Schließlich wurde nach dem knappen Klassenerhalt im Mai einen Neubeginn eingeleitet. Der Umbruch sorgte zunächst für Unruhe.

Nachdem die blauweiße Elf den Verbleib in der 3. Liga sicherte, freuten sich die Anhänger auf eine ruhige Sommerpause. War doch die Rettung im Mai vorigen Jahres ein Kraftakt für alle Beteiligten und brachte einen unruhigen Start in die Saison mit sich. Das 2012 anders werden. Umso überraschender war die Beurlaubung des Trainers Dietmar Demuth Mitte Mai. Mit Unverständnis reagierten mehrere Fangruppierungen nicht nur auf die Entscheidung, dem Mann zu kündigen, mit dem Verein und Fans 2010 den Aufstieg aus der Regionalliga und seither drei Mal den Klassenerhalt feierten, sondern auch die Art und Weise, wie diese Botschaft der Öffentlichkeit überbracht wurde. Fans und Mitglieder erfuhren davon zunächst nur aus der Presse.

So wurde der Mai wieder ein unruhiger Monat. Fans forderten den Vorstand auf, sich zu erklären. Zwei Vorstandsmitglieder traten zurück. Der Vorsitzende, Thomas Bastian, entschuldigte sich vor etwa 100 Interessierten, die zu einer öffentlichen Versammlung am 30. Mai kamen. Die Verantwortlichen bemühten sich um Aufklärung und stellten ein neues „sportliches Gesamtkonzept“ vor, das sie mit Demuth nicht hätten umsetzen können. Als neuer Trainer wurde Christian Benbennek vorgestellt. Der 39-Jährige war im letzten Jahr als Scout tätig, zuvor betreute er die zweite Mannschaft von Eintracht Braunschweig und den Nachwuchs des VfL Wolfsburg.

„Die Sportphilosophie, die Benbennek mitgebracht hat, passt genau in das sportliche Konzept, das hier entwickelt wurde“, begründete Bastian damals seine Entscheidung. In Zukunft soll in Babelsberg „attraktiver Fußball“ zu sehen sein und stärker in den Nachwuchsbereich investiert werden. Ziel der Vereinsverantwortlichen ist weiter Profifußball am Park Babelsberg zu spielen, mit möglichst vielen Spielers aus der eigenen Jugend. Der Blick so mancher Beteiligter geht sogar schon in Richtung Aufstieg. Äußerungen wie „Barcelona wird nicht gleich kommen“ von Nachwuchskoordinator Enrico Große wurden allerdings auch mit Gelächter quittiert.

Nicht allein diese Ambitionen haben für Unruhe gesorgt, viele bange Blicke richten sich weiterhin auf die finanzielle Situation des Vereins. Ist der SV Babelsberg doch nicht ganz unerfahren, wenn es um Insolvenzanmeldung geht. Mit einer Bürgschaft von 1,9 Millionen Euro von der Deutschen Kreditbank (DKB) bei einem geplanten Gesamtetat von 4,5 Millionen Euro ging der SVB in die neue Spielzeit. Die Zusammenarbeit mit der DKB wurde infolgen der drohenden Pleite im Mai 2011 für zunächst drei Jahre vereinbart. Fans fürchten die Abhängigkeit von der Bank und, dass dauerhaft Geld fehlen wird. Die letzte Saison wurde nach Angaben von Bastian mit einem Defizit von rund 400 000 Euro abgeschlossen. Ein neuer Großsponsor wurde in der Zeit nicht gefunden.

Der Wechsel auf dem Trainerposten setzte sich in der Mannschaft fort. Elf neue Spieler holte der SVB nach Potsdam, darunter den neuen Kapitän Daniel Reiche vom MSV Duisburg und Torhüter Frederic Löhe von Borussia Mönchengladbach. Mit Süleyman Koc kehrte ein bekanntes Gesicht zurück. Der 23-Jährige bekommt beim SVB nicht nur sportlich eine zweite Chance. Der Wegen Raubes und Körperverletzung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilte Koc darf im offenen Vollzug bei Babelsberg spielen. Verdiente Spieler wie Torhüter und Kapitän Marian Unger sowie Anton Makarenko, der mit seinem Freistoßtor gegen Bielefeld im vorletzten Spiel der abgeschlossenen Saison den Klassenerhalt sicherte, haben Babelsberg dagegen verlassen.

Gegen den SV Darmstadt 98 standen am Samstag gleich sechs neue Spieler in der Startelf. Beim dem 2:0-Erfolg klappte noch nicht alles. Trainer Benbennek gab zwar zu, dass es noch an der Abstimmung mangele. Nachfragen zum Kader bügelte er aber ab. „Wir sind überzeugt von dem, was die Mannschaft leisten kann und bereit ist, zu geben“, sagte Benbennek. Geschäftsführer Klaus Brüggemann, der unter Anhängern des SVB umstritten ist, bat gegenüber „nd“ um Geduld: „Man muss der neuen Mannschaft ein bisschen mehr Zeit geben. Wichtig ist, dass sie zu null gespielt haben.“

Der Erfolg soll den Verantwortlichen Recht geben. Wie genau der auszusehen hat, damit hält sich die Vereinsspitze inzwischen zurück. Die Fans haben die Ankündigungen von „attraktivem Fußball“ im Karl-Liebknecht-Stadion und nicht mehr nur um den Klassenerhalt spielen zu wollen jedenfalls nicht vergessen. Die Fangruppierung „Filmstadtinferno '99 griff die Diskussion um die sportliche Entwicklung auf dem Deckblatt ihrer Zeitschrift auf. Der Begriff „Gesamtkonzept“ zierte ein Geschenkpaket.

Kleinigkeiten wie der Seitenwechsel der Trainerbank, den Benbennek mit Aberglauben aber auch Selbstschutz vor etwaigen Auseinandersetzungen mit Linienrichtern begründete, oder das Angebot der neuen Catering-Firma geraten dabei in den Hintergrund. Größer als der Gesichtsverlust, der droht, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt, ist nach wie vor die Angst vor dem finanziellen Aus. So war die Stimmung im mit knapp 2800 Zuschauern recht gut besuchten „Karli“ beim ersten Liga-Heimspiel etwas gedämpft. Nachdem Koc in der 66. Minute zum 2:0 traf und die Mannschaft das Publikum animierte, sangen Nordkurve und Ostblock aber immerhin lauter auf.

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