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Buckower Kleinbahn feiert 115. Geburtstag

Verein engagiert sich für den Erhalt

  • Von Barbara Staacke
  • Lesedauer: 3 Min.

Auf dem Bahnhof Müncheberg (Mark) signalisiert ein kaum den Kinderschuhen entwachsener Schaffner freie Fahrt. Der Zug setzt sich in Bewegung. »Es ist schön, dass es die historische Kleinbahn noch gibt«, freut sich eine Dame, die in der Region jedes Jahr ihren Urlaub verbringt.

Uwe Klötzer klingen die Worte wie Musik in den Ohren. Der Mann aus Berlin-Marzahn gehört zu den Enthusiasten, die die 1998 stillgelegte Strecke zwischen Müncheberg und Buckow zu neuem Leben erweckten. Seit 2002 drehen sich wieder die Räder. Der gelernte S-Bahnfahrer bildet nicht nur junge Leute aus, sondern lenkt auch die Geschicke des Eisenbahnvereins. Hinter ihm stehen 46 Mitstreiter, die sich in ihrer Freizeit um die Anlage kümmern. Dank ihres Einsatzes zuckelt die liebevoll »Bucksche« genannte Bahn heute wie vor 100 Jahren durch die Landschaft.

Am 26. Juli 1897 schlug die Geburtsstunde. Die Ausflügler kamen in Scharen. »An den Sommerwochenenden waren die Züge so überfüllt, dass an den Steigungen gar nichts mehr ging. Die Fahrgäste stiegen aus, um die Wagen anzuschieben«, erzählt der Vereinsvorsitzende.

Dass die Fahrt mit der Kleinbahn auch heute so beliebt ist, verwundert nicht. Lässt sich doch auf fünf Kilometern eine malerische Landschaft mit Seen, Wald und Tälern genießen. Ziel ist Buckow. Nicht von ungefähr wählten Bert Brecht und Helene Weigel den von Theodor Fontane gepriesenen Ort zu ihrem Sommerdomizil. In unmittelbarer Nachbarschaft ließ sich John Heartfield nieder. Nahe der Bahnstation Waldsieversdorf erinnert ein Holzhaus an den Begründer der Fotomontage.

Für Klötzer ist der Anklang, den die Museumsbahn bei den Ausflüglern findet, eine Bestätigung. Umso größer war der Schock, als Ganoven vor zwei Jahren die Oberleitung kappten. »Das hätte das Aus der Bahn bedeuten können«, räumt der 42-Jährige ein. Glücklicherweise konnte dank der alten Diesellok MAN von 1963 der Bahnverkehr aufrechterhalten und später der elektrische Betrieb wieder aufgenommen werden. Doch die Arbeit reißt nicht ab. Um den Fahrbetrieb zu sichern, müssen die Züge gewartet, das Dach der alten Wagenhalle instand gesetzt und das Bahnhofsgebäude restauriert werden. Das stellt den 1992 gegründeten Verein vor schwierige Aufgaben. »Es ist wichtig, dass die Anlage für den Nachwuchs erhalten bleibt«, unterstreicht Klötzer.

Einer der Unermüdlichen ist Alexander Maly. Jedes Wochenende schlüpft der 14-Jährige in seine Schaffneruniform und nimmt dafür den langen Fahrweg von Hennigsdorf in Kauf. Als er in Müncheberg die Kelle hebt, strahlt er über das ganze Gesicht. Sein größter Wunsch ist es, selbst die Lok zu fahren. Der Museumsverein Buckower Kleinbahn macht es möglich. Ab 21 Jahren können sich Interessierte zum Ehrenlokführer ausbilden lassen. Auch Kai Simon, mit sieben der Jüngste, träumt davon. Doch vorerst muss er sich mit dem Knipsen der Tickets und dem Abpfeifen des Zuges begnügen.

Gesteuert wurde die E-Lok diesmal von Ingo Möller. Der 36-jährige Chemielaborant hat gerade eine sechsmonatige Ausbildung absolviert und sich damit seinen Kindheitstraum erfüllt. Während der bis 7. Oktober andauernden Saison ist er an den Wochenenden mit der Kleinbahn unterwegs. Sohn Felix ist mit von der Partie. Ob Weichen ölen oder das Gleisbett mit Schotter auffüllen - all das geht der Elfjährige mit Freude an. Zudem will er die im Bahnhofsgebäude aufbewahrte Modellanlage rekonstruieren und sucht dafür Mitstreiter. In dem auf dem Buckower Bahnhof untergebrachten Eisenbahnmuseum reichen die Exponate von Fotos bis zu alten Fahrkartenautomaten.

Tel.: (0160) 480 15 56, www.bkb-info.de. Die Oderlandbahn NE 26 fährt an Wochenenden stündlich von Berlin-Lichtenberg nach Müncheberg. Von dort fährt die Kleinbahn ab 9.37 Uhr nach Waldsieversdorf und Buckow

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