Blindheit des Kollektivs

Euro-Krise und Sprache

  • Von Jürgen Amendt
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Pleite-Griechen«, »Feier-Griechen« - in der Debatte um die Krise der europäischen Gemeinschaftswährung und den wirtschaftlichen Niedergang Griechenlands dominieren die negativen Sprachbilder. Die Phrasen würden den Menschen »gezielt in die Köpfe gestanzt«, kritisierte jüngst der Sprachwissenschaftler Hans Bickes in einem Interview mit der Nachrichtenagentur »pressetext«. Differenzierte Berichte zur Krise in Griechenland habe es in Deutschland selten gegeben und wenn, dann »meist in kleineren, eher linksorientierten Zeitungen«.

Jede politische Debatte hat einen gewissen Vorrat von sogenannten Kollektivsymbolen, mit deren Hilfe die Wirklichkeit und Komplexität von Gesellschaft bildhaft auf einfache Botschaften reduziert werden kann. Die gemeinsame Verständigung wird dadurch erleichtert, doch gibt es auch Nebenwirkungen: In der Asyldebatte vor 20 Jahren zum Beispiel assoziierte bereits die Verwendung des Begriffes »Asylant« die gemein...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.