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Was soll das Gerede?

Dreispringerin Yamilé Aldama verteidigt sich gegen die Bezeichnung »Plastik-Britin«

  • Von Inga Radel, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Dreispringerin Yamilé Aldama ist in ihrer 20-jährigen Karriere schon für Kuba gestartet, für den Sudan und nun für Großbritannien. Der Vorwurf, eine »Plastik-Britin« zu sein verletzt sie aber sehr. Ihre Lebensgeschichte ist eine besondere.
Yamilé Aldama kann das Schimpfwort »Plastik-Britin« nicht mehr hören. »Ich bin nicht aus Kunststoff«, stellt die 39 Jahre alte Hallen-Weltmeisterin im Dreisprung klar. Die gebürtige Kubanerin, deren Gold-Mission für das Königreich an diesem Freitag mit der Qualifikation beginnt, schrieb in ihrer »Guardian«-Kolumne: »Ich habe in diesem Land elf Jahre gelebt, ich bin mit einem britischen Mann verheiratet, ich habe britische Kinder, das ist mein Zuhause. Was soll das Gerede?« Aldamas Lebensgeschichte ist eine bewegende. Umso verletzender empfand sie es, für das Boulevard-Blatt »Daily Mail« als Muster-Beispiel für eine zu Olympia eingebürgerte Sportausländerin herzuhalten. Eben als »Plastik-Britin«.

Vor zehn Jahren stand Aldama in ihrer neuen Heimat ohne einen Penny da - mit einem Neugeborenen. Ihr schottischer Ehemann musste wegen Drogenhandels jahrelang ins Gefängnis. Die Weltklasse-Athletin, die 2000 in Sydney damals für Kuba den vierten Platz belegt hatte, biss sich aber durch. Sie schuftete mit ihrem kleinen, dick eingepackten Sohn Amil in der kalten Trainingshalle. Ihrer Mutter in Kuba sagte sie davon lieber nichts. Ihrem Sohn verriet sie erst als er zehn war, wo sie den Vater regelmäßig besuchten, eben nicht auf der Arbeit.

Der kubanische Verband hatte Aldama nach ihrem Umzug nach Großbritannien verstoßen. Ihr Antrag auf einen britischen Pass lag auf Eis. Und so nahm die Londonerin die Staatsbürgerschaft des Sudans an, um bei den Spielen 2004 in Athen startberechtigt zu sein. Dort sprang sie als Fünfte wieder knapp am Podest vorbei.

»Die Leute glauben, du trittst wegen des Geldes für verschiedene Länder an. Aber das war es nicht«, erklärt die grazile Aldama leise. Als sie Anfang 2010 endlich auch offiziell Britin wurde, in dem Jahr, als auch ihr zweiter Sohn Diego auf die Welt kam, war das einer der glücklichsten Momente in ihrem Leben. Ihr Mann Andrew ist inzwischen längst aus dem Gefängnis entlassen. Mit riesengroßem Stolz schwenkte die lebensfrohe Albama nach ihrem Hallen-WM-Titel im März in Istanbul den »Union Jack« - und strahlte in jede Kamera.

»Ich trinke Tee« - das hält sie bösen Zungen entgegen, die behaupten, sie sei keine echte Engländerin. Wenn sie in ihrer Straße in London sieht, wie jemand dort Müll hinwirft, »hebe ich den Müll auf, denn dies ist mein Zuhause«. Vier Tage am Stück hat sie die britische Nationalhymne geübt. Aus besonderem Trotz und Ehrgeiz, wie sie in ihrer »Guardian«-Kolumne schreibt - bis sie »God Save the Queen« besser konnte als ihr britischer Trainer Frank Attoh.

Aldama ist ungemein beliebt in der Leichtathletik-Mannschaft der Briten. Im Trainingslager in Portugal schmetterte sie jüngst ihre jungen Kollegen mit kindlicher Freunde von der Tischtennisplatte. »Ich mag die älteste Athletin im Team sein, aber ich bin im Herzen sehr jung.«

Am 14. August wird sie 40 Jahre alt. Sind das nun ihre letzten Olympischen Spiele? »Darüber denke ich im Moment nicht nach. Zu viel Denken hilft nie«, sagt die Frau mit der persönlichen Bestweite von 15,29 Metern. Am Freitag steht die Qualifikation an, am Sonntag der Endkampf. »Ich will hier in London sein, im Finale, auf dem Podest. Ich will den ultimativen Sportpreis gewinnen.«

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