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Luxusfragen

  • Von Marcus Drescher
  • Lesedauer: 2 Min.

Wohnen ist Luxus. Für Arm und Reich. Natürlich unterscheidet sich die Luxusdefinition.

Immer mehr Menschen, die es sich leiten können, legen sich Wohneigentum zu. Häuslebauen ist dem Volk der Bausparer seit je her ein hohes Gut und die Doppelhaushälfte Ziel. Das halbwegs Gute: Dadurch wird zumindest neuer Wohnraum geschaffen und kein Mietraum vernichtet.

Anders sieht es dort aus, wo für den Traum vom eigenen Haus der Platz fehlt. In den Städten. Doch auch hier wollen sich immer mehr ein Eigenheim zulegen. Böse Zungen in Berlin behaupten, die Zugezogenen hätten diese Angewohnheit aus der (west-)deutschen Provinz mitgeschleppt. Mag auch sein. Als Erklärung für die wachsenden Ungleichgewichte am Wohnungsmarkt reicht das nicht.

Dort herrscht nicht nur in München oder Berlin mittlerweile ein Verdrängungskampf, den immer die Einkommensschwachen verlieren. Und das sind leider immer öfter diejenigen, die in Sozialwohnungen leben.

Angetrieben wird das sich schnell drehende Karussell von einer verzweigten Maschinerie: In Zeiten der Krise wachsen die sozialen Ängste, Altersarmut ist allgegenwärtig, und wer weiß schon, was in fünf, zehn oder 20 Jahren ist. Da ist Wohneigentum schon ganz schön beruhigend. Die steigende Nachfrage will befriedigt werden, vormalige Mietshäuser werden gekauft, mehr oder weniger rüde »entmietet«, saniert und für viel Geld weiterverkauft. Je mehr saniert wird, um so mehr steigen dann die Mieten in den betreffenden Gebieten. So trägt die Absicherung der einen zur Verdrängung der anderen bei - derjenigen, die sich diese Sicherheit nicht leisten können.

Das Problem der Gentrifizierung ist mittlerweile wohlbekannt, auch der Politik. Deren Handlungsspielraum ist jedoch eingeschränkt. Dort, wo es nicht am Willen fehlt einzugreifen, tut es häufig das Geld. Wohnungsbau können sich viele Kommunen schlichtweg nicht leisten und allzu oft haben sie mit dem Verkauf tausender Wohnungen langfristige Gestaltungsmöglichkeiten für schnelles Geld freiwillig aufgegeben - Nachschub für die Immobilienwirtschaft und auch die Eigenheimträumer.

Je schneller sich das Verdrängungs-Karussell dreht, um so mehr Menschen werden am Rand rausgeschleudert, aus ihrem Kiez, Viertel, Stadtteil. Dann ist es Luxus, überhaupt eine bezahlbare Wohnung zu finden, egal wie weit draußen. Während die Betuchten in Eigentumswohnungen im luxussanierten Szenekiez sitzen. Luxus ist eben eine Frage des Standpunkts.

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