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Rückkehr der Milchkrise

Preise verfallen / Neues Erzeugerbündnis stellt sich in Brüssel vor

  • Von Velten Schäfer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nach einer Phase relativer Stabilität drohen die Milchpreise in diesem Sommer wieder ein für die Erzeuger bedrohliches Niveau zu erreichen. Erzeugerorganisationen wollen dem permanenten Preisdruck nun mit langfristigen Zusammenschlüssen den Kampf ansagen.

Es ist jetzt drei Jahre her, dass überall in Europa Milchbauern auf die Straße gingen, oft sogar ihre Milch auf derselben vergossen. Nun werden wieder ähnliche Aktionen angekündigt: Am Montag rief Romuald Schaber vom »Bund Deutscher Milchviehhalter« (BDM) in der »Passauer Neuen Presse« die Produzenten dazu auf, bei weiteren Preisverfällen die Milch nicht bei den Molkereien abzuliefern, sondern auf den Feldern zu versprühen.

Reaktion erst ab 21,5 Cent

Derzeit liege der Milchpreis für Erzeuger in der Bundesrepublik bei 26 bis 32 Cent - nicht ganz so wenig wie in der »Milchkrise« der Jahre 2008 und 2009, doch seien die Kosten so stark gestiegen, dass die Milchbauern kaum noch verdienten. Insbesondere Sojaschrot ist seit Januar um 50 Prozent teurer geworden - u.a. wegen der Dürre im Exportland USA. Der Verband gibt vor diesem Hintergrund 43 Cent pro Liter Milch als einen für die Erzeuger auskömmlichen Preis an. Nach jetziger Lage reagiert die Politik erst ab dem sogenannten Interventionspreis von 21,5 Cent durch Stützungskäufe.

Auch der Deutsche Bauernverband, der zu Schabers Spezialistenverband BDM in einer scharfen Organisationskonkurrenz steht, ist wegen der Kostenentwicklung inzwischen besorgt. »Trotz der positiven Preiserwartungen« könne insbesondere die Explosion der Sojapreise Milchproduzenten in Bedrängnis bringen, erklärte jüngst der DBV.

Auch in Brüssel, wo über die Milchpolitik bestimmt wird, hat es kürzlich Proteste gegeben, so wurde im Juli ein »Milchsee« installiert. Nun will der Erzeugerzusammenschluss »European Milk Board«, dem BDM-Chef Schaber vorsitzt, dem Preisdilemma entgegenwirken: Heute sollte die Gründung einer »Bündelungskommission« bekannt gegeben werden, die sich aus dem »France Milk Board«, der belgischen Erzeugerinteressengemeinschaft (MIG) und dem »MEG Milch Board« zusammensetzt - der größten deutschen Erzeugergemeinschaft, der etwa ein Viertel der Produzenten angehören.

Diese Bündelungskommission soll »den Kern einer späterhin auszuweitenden, europaweiten und über die EU-Grenzen hinausgehenden Erzeugergemeinschaft« darstellen - hoffen die Initiatoren. Das »Milch Board« und seine europäischen Pendants stehen, anders als der Bauernverband, der EU-Politik, die Mengenregulierung durch eine Milchquote bis 2015 aufzugeben, kritisch gegenüber. Dagegen will man die Position der Bauern gegenüber den Molkereien und den Supermarktketten strukturell stärken.

Legale Preisabsprachen

Zu diesem Zweck setzt das »Board« auf lokale und regionale Zusammenschlüsse: »Preisabsprachen unter Milcherzeugern sind innerhalb einer Erzeugergemeinschaft ausdrücklich erlaubt, solange sie ihre Position nicht missbrauchen. Die Landwirte haben das Recht, Preise auf Basis ihrer Kosten festzulegen und gegenüber ihren Abnehmern geltend zu machen«, heißt es beim »Milch Board«.

In Deutschland konnte gerade die Gründung der »MEG Nordpool« bekannt gegeben werden, einer Erzeugergemeinschaft aus vor allem nordostdeutschen Produzzenten, die sich gemeinsam mehr Marktmacht erhoffen. Solche Effekte soll im Großen dereinst auch die »Bündelungskommission« der Milcherzeuger auf der Europaebene zeitigen.

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