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Honduras' indigene Völker wehren sich

Bergbau, Plantagenwirtschaft und Drogenkrieg schränken die Lebensräume der Ureinwohner ein

  • Von Jutta Blume, Tegucigalpa
  • Lesedauer: 4 Min.
Der sogenannte Drogenkrieg zieht in Honduras auch indigene Völker in Mitleidenschaft. Anfang August haben sich Vertreter sechs verschiedener indigener Völker in der Mosquitia versammelt, um ihre Menschenrechtssituation zu analysieren.

Sie scheuten keine Mühen: Für einige der Delegierten hat die Anreise in die schwer zugängliche Region im Osten von Honduras fast zwei Tage gedauert. Die Vertreter der indigenen Gruppen der Garífuna, Lenca, Pech, Maya Chortis, Tolupan haben den weiten Weg auch aus Solidarität mit den Gastgebern, dem Volk der Miskito auf sich genommen. Vier Miskito wurden getötet, vier weitere verletzt als am 11. Mai dieses Jahres Agenten der US-amerikanischen DEA gemeinsam mit dem honduranischen Militär ein ziviles Boot ohne Vorwarnung beschossen. Den Verletzten wurde außerdem Erste Hilfe verweigert.

Die Wahrung der Menschenrechte und Gerechtigkeit standen im Forderungskatalog der Vertreter der indigenen Organisationen beim Treffen in der Mosquitia ganz weit oben. Das betrifft auch den tödlichen Vorfall vom 11. Mai, wo die Bestrafung der Verantwortlichen des Mordes an den Miskitos in Ahuas angemahnt wird. »Wir haben der nordamerikanischen Regierung gesagt, dass sie uns entschädigen muss, und wir haben ihr fünf Monate Zeit gegeben, um uns zu antworten«, sagt Donaldo Allen, Vorsitzender des Dachverbandes der Miskito MASTA. »Wir akzeptieren keine Militärpräsenz, weil sie uns erniedrigen, mit Füßen treten und zum Beispiel Bomben auf angebliche geheime Landebahnen abwerfen«, so Allen weiter.

Der Militäreinsatz in der Mosquitia dient vorgeblich dem Kampf gegen den Drogenhandel, doch für die Bewohner der Region hat er nur größere Unsicherheit gebracht. In ihrer Forderung nach einem Abzug des Militärs berufen sich die Miskito auf die Charta der Vereinten Nationen und auf die von Honduras unterzeichnete ILO-Konvention 169, die besagen, dass ein Militäreinsatz auf indigenen Territorien mit der dortigen Bevölkerung abgestimmt werden muss.

Die Militarisierung der Mosquitia und anderer Regionen ist nur eines der Probleme, mit denen sich die indigenen Völker von Honduras konfrontiert sehen. »Vor 500 Jahren haben die Reichen in Honduras Enklaven des Bergbaus geschaffen«, erklärt die Vorsitzende des Zivilen Rates der indigenen und Volksorganisationen in Honduras, Bertha Cáceres. »2012 sind wir noch immer ein Land der Enklaven: des Bergbaus und des Ölpalmenanbaus.«

Konzessionen über 35 000 Quadratkilometer der Landesfläche sind derzeit an Bergbauunternehmen vergeben. Neben 370 bestehenden Konzessionen sind 100 weitere beantragt. Diejenigen, die unter den Folgen des Bergbaus zu leiden haben, sind oftmals die indigenen Völker, auf deren angestammten Territorien die Minen gegen ihren Willen eröffnet werden. Durch den hohen Wasserverbrauch und die Verschmutzung von Luft und Flüssen gefährden die Minen die Lebensgrundlagen der Anwohner.

Ebenfalls gravierend ist die Privatisierung von Flüssen, die kurz nach dem Putsch mit dem Allgemeinen Wassergesetz vom August 2009 auf den Weg gebracht wurde. In ganz Honduras sind 71 Wasserkraftwerke bereits genehmigt, im Bau oder schon fertiggestellt. Die Konzessionen haben eine Laufzeit von 30 Jahren und umfassen weit mehr als die Nutzung des Wassers zur Energiegewinnung. So verlieren die Menschen oftmals jeglichen Zugang zu den Flüssen, aus denen die Gemeinden teilweise ihr Trinkwasser beziehen.

Der Bau von drei Staudämmen im Fluss Patuca in der Mosquitia wird die dort lebende indigene Gruppe der Tahwaka vollständig isolieren, da der Fluss die einzige Verkehrsverbindung in der Region ist. Wie im Fall des Bergbaus wird auch bei der Genehmigung der Wasserkraftwerke das Recht auf freie, frühzeitige und informierte Zustimmung, das im Artikel 6 der ILO-Konvention 169 verankert ist, nicht umgesetzt. Oftmals fehlt der Zugang zu jeglicher Information. »Die indigenen und farbigen Völker sind diejenigen, die Bedeutung, Charakter, Reichweite und Mechanismen der freien, frühzeitigen und informierten Befragung und Zustimmung definieren. Wir akzeptieren nicht, dass jemand anders dies tut«, heißt es in der Abschlusserklärung des Treffens.

»Jegliche nationalen oder internationalen Verträge sind uns völlig unbekannt«, sagt Ramón Santiago Matute vom Volk der Tolupan. Zum ersten Mal hört er auf dem Treffen vom Emissionshandel, bei dem für den Erhalt von Wäldern Geld gezahlt wird. Dagegen haben sich Völker wie die Miskito, die Lenca und die Garífuna auf ihren Territorien bislang erfolgreich gewehrt. Das ehemals waldreiche Gebiet der Tolupan wird vom staatlichen Institut zum Erhalt der Wälder sowie dem indigenen Verband FETRIXY kontrolliert, von dem sich die anwesenden Tolupanes jedoch nicht repräsentiert fühlen.

Die Interessen der Tolupanes spielen für die staatlichen Behörden keine Rolle. »Im November 2011 hat FETRIXY illegal 1500 Kubikmeter Holz verkauft«, erzählt Matute. Korruption und die Vertretung durch Organisationen, die sich nicht wirklich für die Interessen der indigenen Bevölkerung einsetzen, sind ein Problem, das auf dem Treffen von verschiedenen Gruppen geäußert wird. Insbesondere das staatliche Sekretariat der Indigenen und Afrikanischstämmigen von Honduras SEDINAFROH wird als eine Parallelorganisation zu bestehenden Organisation der Indigenen verurteilt. Spalten und herrschen, auf diese Regierungsdevise fallen die indigenen Völker in Honduras nicht herein. Sie leisten stattdessen Widerstand.

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