Ich wollte mich unsichtbar machen

Die Vertragsarbeiterin Phuong Kollath erlebte das Rostocker Pogrom nicht persönlich, doch es hatte für sie Folgen

  • Von Marina Mai
  • Lesedauer: ca. 5.5 Min.

Phuong Kollath hat eine spitze Zunge. Den Orankesee in Berlin nennt die 49-jährige gebürtige Vietnamesin »eine kleine Pfütze, für die man Eintritt bezahlen muss und noch nicht mal FKK-baden darf«. 30 Jahre lang lebte Phuong in Rostock, hatte die Ostsee vor der Tür. Und liebte es, FKK zu baden. »Da bin ich untypisch für eine Vietnamesin.«

Nach Rostock kam Phuong 1981 als Vertragsarbeiterin. Da war sie 18. »Meine Mutter war eine leitende Buchhalterin und hatte den Platz als Auszeichnung für ihre Arbeit bekommen«, sagt sie und schüttelt ihre langen Haare aus dem Gesicht. Wenn die Mutter den Platz bekam, hieß das nicht, dass sie tatsächlich selbst in die DDR fahren sollte. In Vietnam zählt nicht das Individuum, sondern die Familie. Die Mutter konnte ein Familienmitglied bestimmen. Phuong war die älteste Tochter, die einzige volljährige. Sie sollte fahren.
»Ich war in einem Glückszustand«, erinnert sich Phuong. Vorher hatte das Kriegskind ihre Heimatstadt Hanoi nur verlassen, um sich vor den Bomben in Sicherheit zu bringen. »Ich war noch nie im Ausland gewesen. Ich war noch nie im Flugzeug geflogen. Die Aussicht war traumhaft«, sagt sie. So traumhaft, dass die Abiturientin ihr Vorhaben, Medizin zu studieren, auf Eis legte. Vier Jahre sollte sie in der DDR leben. Studieren wo...

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