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Fast 400 Sexualdelikte bei der Bundeswehr

Bückeburger Vergewaltigung kein Einzelfall

Berlin (nd-Otto/dpa). Die Vergewaltigung einer Rekrutin in einer Bückeburger Kaserne war nicht der einzige Fall sexuellen Missbrauchs bei der Bundeswehr. Vier Mal wurden nach Informationen der dpa im vergangenen Jahr Soldaten der Vergewaltigung von Kameradinnen oder Kameraden verdächtigt oder beschuldigt. In zwei Fällen laufen die Ermittlungen noch, in einem Fall wurden sie mangels Beweisen eingestellt. Ein Verfahren endete mit Freispruch.

Für den Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus (FDP) sind das »Einzelfälle«. Zwar gebe es vermutlich eine Dunkelziffer. Er habe aber keinen Anlass, »von einem größeren Ausmaß an sexueller Belästigung oder sexuellen Übergriffen in der Bundeswehr auszugehen«, erklärte Königshaus auf dpa-Anfrage.

Die Vergewaltigung einer Soldatin in einer Kaserne in Bückeburg hatte in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt. Die Frau war in einem gesicherten Gebäude vergewaltigt und anschließend gefesselt und geknebelt in einen Spind gesperrt worden. Die Fahndung nach dem Täter läuft noch.

In den vergangenen fünf Jahren hat die Bundeswehr 395 Verdachtsfälle sexueller Vergehen erfasst. Alleine 2011 wurden 78 Übergriffe oder Belästigungen mit Beteiligung mindestens eines Soldaten oder einer Soldatin registriert - von Vergewaltigungen über Kindesmissbrauch bis zu Verbalattacken. »Vergewaltigungen sind dabei eher die Ausnahme«, beschwichtigte Königshaus.

Die Bundeswehr hatte sich vor elf Jahren für Frauen geöffnet. Ihr Anteil liegt inzwischen bei fast zehn Prozent. Die letzte Studie zur Integration von Frauen in die Bundeswehr stammt aus dem Jahr 2008. Damals berichteten 58 Prozent der Soldatinnen von sexistischen Bemerkungen, 19 Prozent von körperlicher Belästigung und Annäherungsversuchen und 4,6 Prozent von sexuellen Übergriffen bis hin zur Vergewaltigung.

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