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Armstrongs Aufgabe

Kommentar von Tom Mustroph

Das kaum für möglich Gehaltene ist passiert. Lance Armstrong, der beinharte Kämpfer und Oberehrgeizling, hat die juristische Schlacht um seine sieben Tour-de-France-Titel aufgegeben. Er will nicht an den Verhandlungen teilnehmen und sich der Rechtsprechung der Antidopingagentur USADA nicht in den Weg stellen. Die kann damit zur Tat schreiten und Armstrong lebenslang sperren sowie - was schwerer wiegt - ihm alle Siege zwischen 1998 und 2011 aberkennen.

Damit wird es leer in der Siegerspalte des Tourbuchs. Bereits Bjarne Riis wurde 1996 nach Dopingeingeständnis aus dieser Liste getilgt. Jan Ullrich und Marco Pantani stehen weiter drin - das Dopingverdikt gegen den gebürtigen Rostocker bezog sich auf einen späteren Teil seiner Karriere. Pantani kann keine Auskunft mehr über seine Odyssee mit Drogen und Dopingmitteln geben. Der Italiener ist tot. Für 1999 bis 2005 wird die Spalte für den Sieger nun weiß bleiben müssen. Damit ist eine Teilgerechtigkeit hergestellt. Hinweise auf Doping begleiteten Armstrong schon zu Zeiten seines WM-Titels 1994. Sie verdichteten sich in Teil zwei der Karriere ab 1999. Doch keine Sportinstitution hatte den Mumm, den Anschuldigungen auf den Grund zu gehen. Die USADA ist in die Bresche gesprungen. Nun liegt es an anderen Verbänden, die Sauberkeit der Tour-Zweiten zu verifizieren. Auf die deutsche NADA kommt einige Arbeit zu (Ullrich 2000, 2001, 2003, Klöden 2004), auch die Schweizer (Zülle 1999), Spanier (Beloki 2003) und Italiener (Basso 2005) hätten einiges zu tun. Bis zur ganz großen Gerechtigkeit dauert es noch ein Weilchen.

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