Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Märkische Schweiz wird abgehängt

An der Ostbahn sollen ab 2014 drei Bahnhöfe geschlossen werden, Anwohner wehren sich dagegen

Der Station der Ostbahn in Obersdorf, Müncheberg droht die Schließung. Anwohner sammeln Unterschriften gegen dieses Vorhaben - von dem nicht nur Touristen, auch viele Berufspendler und Schüler betroffen wären.
Tor zur Märkischen Schweiz: der Bahnhof in Obersdorf
Tor zur Märkischen Schweiz: der Bahnhof in Obersdorf

Obersdorf ohne eigenen Bahnhof? »Das wollen wir nicht hinnehmen«, sagt Gisela Künzel, die sich mit einigen Mitstreiterinnen aus dem Müncheberger Ortsteil gegen die drohende Schließung des Bahnstopps an der sogenannten Ostbahn zur Wehr setzt. Die Frauen um Gisela Künzel haben deshalb begonnen, Unterschriften in dem auch bei Touristen und Ausflüglern beliebten Dorf in der Märkischen Schweiz zu sammeln. Ihre Argumente: Drei Ortsteile von Müncheberg würden von der Infrastruktur abgeschnitten, Berufspendler und Kinder, die weiterführende Schulen besuchen, ebenfalls. Auch ein Kinderferienlager und die Jugendherberge des Kinderrings Neuhardenberg in Münchehofe wären abgehängt.
Seit Anfang August kursieren in Obersdorf Gerüchte, dass der örtliche Bahnhof ab 2014 geschlossen werden könnte. Hintergrund ist der auslaufende Verkehrsvertrag: Die Strecke von Berlin nach Gorzów Wielkopolski (Landsberg an der Warthe) wurde neu ausgeschrieben. Ob die bisherige Betreiberin, die private Niederbarnimer Eisenbahn (NEB), wieder zum Zuge kommt, ist indes unklar. Der Wettbewerb ist zwar entschieden, aber das Infrastrukturministerium will erst im Oktober das Ergebnis der Ausschreibung verkünden. Fest steht unterdessen, dass das Land Brandenburg beim Öffentlichen Personennahverkehr hart sparen will: Über 30 Millionen Euro sollen gekürzt werden.

Doch welche Folgen hat das für die Zukunft der Ostbahn? Im Jahr 2000 wäre die Strecke fast eingestellt worden, heute nutzen über 8000 Reisende und Pendler die Verbindung zwischen Berlin und dem polnischen Kostrzyn. Die Linie ist eine Erfolgsgeschichte. Karl-Heinz Boßan, der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft Eisenbahn Berlin-Gorzów (IGOB), setzt sich seit sechs Jahren mit der Ertüchtigung der »alten preußischen Ostbahn« auseinander, wie er es nennt. Boßan sagt: »So, wie die Ostbahn ist, kann sie nicht bleiben.« Die IGOB hat deshalb als Nichtregierungsorganisation einen Vorschlag an das Infrastrukturministerium erarbeitet, um darzulegen, wie aus IGOB-Sicht das »Betriebssystem Ostbahn« »kundenorientiert« und »kostsparend« betrieben werden könnte. Die IGOB hat für die nicht bindende Untersuchung die gesamte Strecke auch auf polnischer Seite nach Kriterien wie Taktzeit, Bahnhofsumfeld oder welches Zukunftskonzept bietet der Ort untersucht.

»Bahnhöfe, die eine Vision haben, sollen bleiben«, sagt Boßan. Auf der Strecke bleiben nach den IGOB-Vorschlägen drei Ostbahn-Haltestationen auf deutscher Seite: Alt-Rosenthal, Küstrin-Kietz und eben Obersdorf. Haltestellen wie Trebnitz oder Golzow dagegen hält die IGOB für erhaltenswert. Denn bei den genannten Bahnhöfen geht es auch um EU-Gelder, die über Fördermittel vergeben werden. Unterstützenswert hält die EU nämlich nur Bahnhöfe, die im Stundentakt angefahren werden.

Aus der Perspektive der IGOB liegt die Zukunft der Ostbahn in Europa: Ab dem Frühjahr 2013 könnte die Bahnlinie eine eigenständige Förderregion bilden: den »Europäischen Verbund für territoriale Zusammenarbeit« mit Namen »Transoderana«. Ingesamt 7000 Quadratkilometer soll das Gebiet entlang der Ostbahn zwischen Berlin und Pila umfassen.
Bei den Bürgern von Obersdorf löst diese europäische Zukunftsvision dagegen Unmut und Sorge aus. Sie verweisen überdies auf die Rad- und Wanderbegeisterten, die den Halt als Tor zu Märkischen Schweiz nutzen. Unterstützung finden die Obersdorfer auch beim Kreistag Märkisch-Oderland, dessen Wirtschaftsausschuss sich jüngst für den Erhalt aller Bahnhöfe aussprach.

Auch die Müncheberger Bürgermeisterin Uta Barkusky (LINKE) hat sich mit den Frauen aus Obersdorf getroffen. Als sie von dem Schließungsvorhaben erfahren hat, erzählt Barkusky, habe sie sofort den den zuständigen Referatsleiter im Infrastrukturministerium angeschrieben. »Ich habe den Erhalt des Bahnsteiges in Obersdorf beantragt, auch als Bedarfshalt«, sagt Barkusky. In Polen können Fahrgäste einfach während der Fahrt signalisieren, wenn sie bei Bedarf an einem Bahnhof aussteigen wollen. Auch mit dieser Möglichkeit wäre den Bewohnern von Alt-Rosenthal, Küstrin-Kietz und Obersdorf sicher geholfen – eine Schließung käme dagegen vor allem für viele alte Menschen einer Katastrophe gleich.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln