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Zu Fuß mit Hindernissen

BUND fordert mehr Ampel-Grün für Fußgänger

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An sechs Orten will der Senat ab November fußgängerfreundlichere Ampelschaltungen erproben. So soll es u.a. an der Kreuzung Lietzenburger / Joachimstaler Straße, Französische / Charlot- tenstraße oder Holzmarkt- / Alex- anderstraße rot- bzw. grünblinkende Ampeln geben, die den Passanten signalisieren, dass sie sich beim Überqueren der Straße beeilen oder besser nicht mehr losgehen sollen. Im nächsten Jahr wird als dritte Variante der Countdown hinzukommen, wobei die Sekunden der verbleibenden Grünphase heruntergezählt werden.

Das Ganze ist Teil der im vergangenen Jahr beschlossenen Fußverkehrsstrategie des Senats, die auch vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) begrüßt wird. »Aber die drei Ampel-Projekte nützen Fußgängern wenig«, findet BUND-Verkehrsexperte Martin Schlegel. »Die Fußgänger werden nur noch mehr gestresst, und die simple Regelung, dass man die Fahrbahn betreten darf, solange Grün gezeigt wird, wäre obsolet.«

Für besonders unnütz hält er den Countdown, der allenfalls dazu diene, die Fußgänger zu unterhalten. »Da könnte man auch einen Film zeigen.« Dafür hat eine solche Ampel einen großen Nachteil: Da sie nicht verkehrsabhängig zu steuern ist, kann mit ihr auch der Bus- oder Straßenbahnverkehr beschleunigt werden.

Dabei sieht auch der BUND Verbesserungsbedarf bei der Ampelsteuerung, aber in anderer Form. Bestärkt wird er durch das Ergebnis einer von ihm durchgeführten Umfrage. 256 Berliner meldeten die nervigsten Ampeln. Bis zu 120 Sekunden dauert es beispielsweise an der Frankfurter Allee/Ecke Jungstraße, bis Passanten Grün erhalten. »Das ist das Maximum dessen, was zulässig ist«, sagt Schlegel. »Und wer es nicht in einem Zug schafft und auf dem Mittelstreifen warten muss, für den können es auch vier Minuten werden.« Schlegels »Lieblingsampel« ist die vorm südlichen Eingang des Hauptbahnhofs, wo »Gruppen von Kofferträgern 90 Sekunden auf ein Auto warten müssen«. Das andere Extrem sind »Sprinterampeln«: An der Bernauer/Ecke Brunnenstraße hat der Fußgänger nur drei Sekunden Grün. Laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung müssten es aber mindestens fünf sein.

Am nervigsten sind Straßen, die nicht in einem Zug überquert werden können. Manchmal sind die Wege einfach zu lang, manchmal die Grünphase schlicht zu kurz. Sollte deren Verlängerung nicht ausreichen, fordert der BUND bauliche Lösungen wie Gehwegvorstreckungen. Ohne die wird man auch bei den Mittelinseln nicht auskommen, die zu schmal sind, um den Passanten sicher Platz zu bieten. Dies sei besonders dort der Fall, wo U-Bahn-Ausgänge oder Straßenbahnhaltestellen münden, etwa an den U-Bahn-Stationen Rathaus Neukölln oder Kochstraße und der Tramhaltestelle am S-Bahnhof Prenzlauer Allee. »Dort herrschen manchmal chaotische Zustände«, sagt Schlegel. Besonders gefährlich werde es für Fußgänger, wenn Rechtsabbieger von zwei Spuren auf die Passanten treffen, die ebenfalls Grün haben. Für sie müsste es eine getrennte Signalisierung geben, fordert der BUND.

»Fast immer bekommen Fußgänger früher Rot, als es zu ihrer Sicherheit nötig wäre«, ist Schlegels Fazit. Das Problem sei vor allem die veraltete Technik, mit der eine verkehrsabhängige Steuerung der Ampeln nicht möglich sei. »Dadurch gibt es unnötig Rot für alle.« Der Senat sollte in die Modernisierung der Technik investieren und nicht in unnütze Pilotprojekte.«

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