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Een Speukels geiht üm?

Hans-Joachim Meyer, Jg. 1942, Hamburger, übersetzte ins Plattdeutsche

Fragwürdig: Een Speukels geiht üm?
nd: In mehr als 100 Sprachen ist das Kommunistische Manifest übersetzt, nun dank Ihnen auch in die »Weltsprache« Plattdeutsch. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Meyer: Nach der EU-Sprachencharta ist Plattdeutsch eine vollwertige Sprache. Und nicht nur die Landesverfassungen von Hamburg und Niedersachsen, auch die UN- Menschenrechtserklärung wurde auf Platt übertragen. Warum also nicht das »Manifest«? Ich halte es für das wichtigste Dokument der internationalen Arbeiterbewegung, die Gründungsurkunde.

Die Übersetzung ist also Ihr Geschenk zu 165 Jahre Kommunismus? 1847 wurde in London der Bund der Kommunisten gegründet, für den Marx und Engels das »Manifest« schrieben.
Dat wör een Tofall. Ich freue mich aber, unbewusst ein Geschenk gemacht zu haben. Zumal das Buch auch die von Engels geschriebene Geschichte des Bundes enthält.

Glauben Sie, dass Sie im norddeutschen Raum neue Anhänger von Marx rekrutieren können?
Dat wär dat Slechteste nich.

Meinen Sie, es gibt noch Interesse am »Manifest« hierzulande?
Das Interesse am Marxismus ist mit Sicherheit gestiegen. Dank der Krise und den großzügigen Geschenken von Hunderten von Milliarden Steuergeldern an die Großbanken und die dadurch verursachte Schuldenkrise. Selbst Hamburgs ehemaliger CDU-Bürgermeister Ole von Beust nimmt heute das Wort »Kapitalismus« in den Mund. Dat wüll wat heten.

»Een Speukels geiht üm in Europa – dat Speukels mit Naam Kommunismus.« Diesen ersten Satz des »Manifests« kann der des Plattdeutschen nicht kundige Bürger noch entziffern, ansonsten ...
Darum habe ich am Schluss auch eine Wortliste angehängt.

Welche Passagen bereiteten die größten Transkriptionsprobleme?
Eigentlich war der ganze Text ein recht hartes Brot, wegen der vielen Bandwurm- und Schachtelsätze und der manchmal antiquierten Sprache. Aber ich denke, es ist ein recht lesbarer Text geworden.

Sie haben sogar Vor- und Nachworte zum »Manifest« übersetzt.
Die Vorworte von 1872 und 1890 sind wichtig, weil sie die wachsende Stärke der deutschen Arbeiterbewegung dokumentieren.

Wie lange brauchten Sie?
Mit einigen Pausen neun Monate.

Werden Sie nach dieser Geburt jetzt auch Marxens »Kapital« op Platt bringen?
Auf Ihre Frage habe ich soeben beschlossen, mindestens 100 Jahre alt zu werden. Dann könnte ich es schaffen. Es gibt allerdings Pessimisten, die sagen, dass Plattdeutsch bis dahin ausgestorben ist, wenn die Politik nicht gegensteuert. Dann dürfte ein plattdeutsches »Kapital« schwer abzusetzen sein.

Das »Manifest« endet mit ...
Schüllt doch de herrschen Klassen vör en kommunistische Revolutjoon bävern. De Proletariers hebbt in ehr nix to verleren as jümehr Käden. Se hebbt en Welt to winnen. Proletariers vun all Länner, verenigt joo!

Fragen: Karlen Vesper

»De Kommunistische Partei ehr Manifest« ist erhältlich über aj@fraujansen.de (9 €).

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