Emanzipation im Ring

Wrestling in Bolivien: Seit zehn Jahren treten Catcherinnen in traditionellen Trachten im Schaukampf an

  • Von Knut Henkel
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

Frauen Kampf Sport: Im weitgehend männlich dominierten Sportbetrieb gehört es bislang eher zu den Ausnahmen, dass Frauen strukturell bestimmen und entscheiden. Initiativen von Frauen aus dem In- und Ausland - hier ein Beispiel aus Südamerika - zeigen, dass sie sich eigenständig organisieren, dabei ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen und sich so ihren Platz erobern.

Frauen in Bolivien stehen seit Jahrhunderten im Schatten der Männer. Dies bricht jedoch langsam auf. Ein Beispiel für die Veränderungen sind die kämpfenden Cholitas - die Catcherinnen aus El Alto -, die im Wrestling-Ring sowohl gegen Frauen als auch gegen Männer kämpfen. Zu den Umschwärmtesten unter ihnen gehört Carmen Rojas.
»Atención Carmen«, schallt es aus dem Publikum, doch da ist es schon zu spät. Carmen Rojas geht zu Boden. Ihre Gegnerin, Jenifer Dos Caras, ist ihr in den Rücken gesprungen und hat sie spektakulär zu Fall gebracht.

Die elegante Carmen Rojas ist eine der beliebten Catcherinnen Boliviens und heute steht sie im Multifuncional von El Alto im Ring. Die Mehrzweckhalle befindet sich nur einen Steinwurf von der Straße entfernt, die nach unten ins Tal von La Paz führt. Sie markiert quasi den Ortseingang von El Alto, der rapide wachsenden bolivianischen Zuwandererstadt, wo auch am Wochenende die Märkte geöffnet haben und wo viele Frauen große Stücke auf die »Cholitas Luchadoras«, die kämpfenden indigenen Frauen, halten.

Auch die Marktfrau gehört zu den Fans. »Sie zeigen, dass auch Frauen kämpfen können. Sie sind ein Symbol für die Gleichberechtigung«, sagt die hart arbeitende, kräftige Verkäuferin. Sie habe meist keine Zeit, am Sonntag zu d...

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