Werbung

Knien auf Knopfdruck

BVG will das automatische Absenken der Busse durch Bedarfskneeling ersetzen

  • Von Nissrine Messaoudi
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Bisher knieten sich BVG Busse an der Haltestelle automatisch vor den Fahrgästen nieder. Das soll sich nun ändern. Das sogenannte automatische Kneeling sei nicht nötig, findet die BVG und will ihre Busse auf ein Bedarfssystem umrüsten. Anhand eines Pilotprojektes will das Unternehmen beweisen, dass die meisten Fahrgäste nicht auf die Absenkung angewiesen sind. Die Linksfraktion sowie die Grünen sprachen gestern im Abgeordnetenhaus von einem »Schritt rückwärts« und forderten die BVG auf, Einsparungen nicht auf Kosten der Barrierefreiheit vorzunehmen. Durch die Umrüstung könnte das Unternehmen nämlich rund zwei Millionen Euro im Jahr einsparen.

Laut der BVG ändere sich für die Fahrgäste kaum etwas. Schließlich könne derjenige, der auf eine Absenkung des Busses angewiesen ist, auf den gelb-blauen Knopf drücken, und der Busfahrer käme seinem Wunsch nach. Rollstuhlfahrer betreffe das ohnehin nicht, denn für sie »muss der Fahrer schon jetzt zusätzlich eine Rampe herablassen«, erklärte BVG-Buschef Martin Koller. Erhebungen hätten ergeben, dass sich ein Bus täglich 600 Mal automatisch senkt, obwohl dies nur 18 Mal nötig sei. Das führe wiederum zu aufwendigen technischen Wartungsarbeiten und Ausfällen der Flotten. »Wir wollen den Service ja nicht abschaffen, sondern lediglich einschränken«, so Koller. Das wies der Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Jürgen Schneider zurück. »Ich habe im Selbstversuch die Erfahrung gemacht, dass der Busfahrer trotz Knopfdrucks nicht reagiert, wenn man keine sichtbare Behinderung oder einen Kinderwagen hat. Menschen, die beispielsweise an Gelenkproblemen leiden, Blinde oder ältere Mitbürger würden somit zum Bittsteller, kritisierte Bernd Maier vom Landesbehindertenbeirat. Er wies außerdem darauf, dass die BVG zwar von einer Testphase spricht, die Hälfte ihrer Busse jedoch bereits umgerüstet habe. Auch seien die Zahlen, mit der die BVG argumentiere, wenig glaubhaft, findet der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar. Zusammen mit der LINKEN fordern die Grünen die BVG auf, ihre Testphase von einer unabhängigen Stelle wissenschaftlich begleiten zu lassen, damit der Senat mit verlässlichen Zahlen arbeiten könne.

Die Sozialexpertin der Linksfraktion, Elke Breitenbach, warf der BVG weiterhin Kurzsichtigkeit im Umgang mit den Berlinern vor. »Wir werden doch alle älter, das muss auch die BVG berücksichtigen«, so Breitenbach. Die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales gab an, auf die angekündigten Ergebnisse der Testphase warten zu wollen. Sie warnte die BVG jedoch davor, neue Busse anzuschaffen, die sich nicht mehr automatisch senken können. Damit schaffe die BVG Fakten.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!