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Bedrohtes Paradies

Proteste in Süditalien gegen geplante Ölbohrungen

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In Süditalien mobilisieren sich Bevölkerung, Institutionen und Politiker gegen einen Beschluss, den die Zentralregierung in Rom mitten im August getroffen hat: Vor den Tremiti-Inseln, einem kleinen Paradies in der Adria, dürfen demnächst Probebohrungen durchgeführt werden, um festzustellen, ob sich im Untergrund vielleicht Erdöl befindet.

Wer einmal auf den Tremiti-Inseln war, hat vielleicht eine klarere Vorstellung vom Paradies: sechs kleine Inseln, von denen nur zwei bewohnt sind, grün-weiße Kleckse mitten in einem tiefblauen Meer. Viele der traumhaften Buchten kann man nur mit dem Boot erreichen, und die knapp 500 Einwohner, zu denen im Sommer Tausende von Touristen kommen, haben alle Bötchen, sei es auch nur, um sich das Abendessen aus dem fischreichen Wasser zu holen. Doch jetzt wird dieser Garten Eden bedroht, der sich nordöstlich vom »Sporn« am italienischen Stiefel befindet und administrativ zur Region Apulien gehört. Trotz negativer Bewertungen von allen lokalen Institutionen, haben in Rom der Umwelt- und der Industrieminister Mitte August eine Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt, die es der irischen Firma Petroceltic gestatten, einige Meilen vor den Tremiti mit Probebohrungen zu beginnen, da man annimmt, dass sich hier ein Erdölvorkommen befindet. Böse Zungen behaupten, dass dieser Beschluss in der Ferienzeit bekanntgegeben wurde, weil dann die Italiener vielleicht mehr an ihre Ferien als an Umweltsorgen denken.

Tatsächlich aber entwickelte sich nach anfänglicher Ungläubigkeit ein Sturm der Entrüstung. Die Region hat Einspruch gegen den Beschluss erhoben und erklärte entschlossen: »Wir werden nie gestatten, dass die Folgen von Entscheidungen, die uns aufgezwungen werden, auf Apulien und seinen Bewohnern lasten.« »Die Genehmigung für Probebohrungen«, so der Vorsitzende des Regionalparlaments Francesco Tarantini, »würde Apulien ihr höchstes Gut nehmen: das Meer. Ölbohrungen vor den Tremiti sind ein Wahnsinn, der die Entwicklung unserer Ökonomie in Frage stellt, die auf einer nachhaltigen Nutzung des Meers, dem Tourismus und Fischfang basiert.«

»Das ganze ist ein Irrsinn«, schimpft die Umweltorganisation Legambiente, die außerdem die Unwirtschaftlichkeit des Projekts betont: »Hier könnten höchstens 130 Millionen Tonnen Öl gefördert werden und nach noch nicht einmal zwei Jahren wäre der eventuelle Fundort leer.« Sie erinnert daran, dass rund um Italien bereits neun Ölplattformen aktiv sind, aber in den nächsten drei Jahren weitere 70 hinzukommen könnten, die 30 000 Quadratkilometer Meer betreffen. Auch wenn jetzt erst einmal nur Probebohrungen durchgeführt werden sollen, befürchtet Legambiente eine Beeinträchtigung des ökologischen Gleichgewichts und Probleme für die reiche Pflanzen- und Tierwelt. Der Bürgermeister der Tremiti Antonio Fentini erinnert daran, dass die Inseln und das umliegende Meer zu einem Naturschutzgebiet gehören und die Bohrungen nur wenige Meilen von der Grenze stattfinden sollen. »Wir geben nicht klein bei und nehmen einen Beschluss, der uns von oben aufoktroyiert wird, nicht einfach hin. Wir werden alles Menschenmögliche tun, um zu verhindern, dass man aus unserem Inselparadies ein Archipel von Ölplattformen macht«.

Umweltminister Corrado Clini kann die Aufregung nicht verstehen: »Wenn man wirklich Erdöl finden sollte, dann werden wir entscheiden und uns auch mit den anderen Anrainerstaaten der Adria absprechen. Jetzt wollen wir doch erst einmal feststellen, was sich unter dem Meer überhaupt befindet«.

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