Michael Wendl 07.09.2012 / Kommentare

Im Ideenhimmel der Vergangenheit

In der Linken, nicht nur der gleichnamigen Partei, sind die Rolle und Bedeutung der Finanzmärkte bis heute nicht verstanden worden

In der Frage einer Theorie des Geldes und des Kredits ist die Linkspartei weder auf der Höhe des späten Karl Marx noch auf der von John M. Keynes. Ihre Krisenanalyse scheint eher einer Moral- und Tugendlehre verhaftet zu sein

Die aktuellen Beiträge aus der Partei DIE LINKE zur politischen Steuerung der Krise in der Währungsunion sind durch eine Diktion geprägt, die einer Moral- und Tugendlehre verhaftet zu scheint. Da werden die privaten Banken als »Zocker und Spekulanten« gebrandmarkt und zur Sühne dieser Sünden wird ein »Schuldenschnitt«, also ein Eigentumsverzicht der Eigentümer und der Gläubiger gefordert. Im Wesentlichen wird diese Diktion durch Sahra Wagenknecht bestimmt, aber sie hat in diesen Debatten die Zustimmung der Parteibasis, ihre Kritik an Banken und Hegdefonds findet nicht nur das Wohlwollen bestimmter Kreise des deutschen Konservatismus, sondern kann auch der Empörung vieler Mitglieder in der Partei über die Geschäfte der Banken und Hedgefonds eine breit akzeptierte Stimme geben. Das mag wirtschaftstheoretisch interessierte Linke, die den deutschen Ordoliberalismus um Walter Eucken und Wilhelm Roepcke als die deutsche Variante des internationalen Neoliberalismus und als Mitbegründer der Mont Pelerin Society einordnen und entsprechend politisch bewerten, einigermaßen irritieren, aber auf den zweiten Blick ist es keine große Überraschung.Theoriegeschichtlich haben sich bereits in den 1920er Jahren in Deutschland Marxisten und Ordoliberale mit ihrer Betonung bestimmter ökonomischer Gesetzmäßigkeiten gemeinsam gegen die Vertreter der damals noch in Deutschland dominierenden »historischen Schule« der Nationalökonomie abgesetzt, um unter Berufung auf David Ricardo (die Ordoliberalen) oder Karl Marx herauszuheben, dass die Zusammenhänge und Prozesse der Wirtschaft von starren ökonomischen Gesetzen bestimmt werden, die es entweder zu beachten gelte, wozu dann der Ordoliberalismus die entsprechenden Regeln vorzugeben versucht hatte, oder die durch das Stellen und Beantworten der Eigentumsfrage als ökonomische Gesetze aufgehoben werden müssten. Heute haben wir eine einerseits vergleichbare, andererseits aber verschiedene Konstellation. Der Rolle einer nach bestimmten Tugendregeln politisch gesteuerten Wirtschaft wird aus der Theorietradition des deutschen Ordoliberalismus übernommen, während aus der Theorietradition des früheren Weltanschauungsmarxismus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Eigentumsfrage und eine in erster Linie moralische Kapitalismuskritik nach wie vor den zentralen Stellenwert behalten haben.

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