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Chauvinistische Klischees

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: 2 Min.
Hessische Linken-Politiker haben sich in einem via Facebook verbreiteten Offenen Brief an die Spitzen von Spiegel und Spiegel online gewandt. Aufhänger ist der Beitrag »Ost-Linke planen Rachefeldzug gegen West-Fundis«, doch den Unterzeichnern – neben den beiden Landesvorsitzenden Heidemarie Scheuch Paschkewitz und Ulrich Wilken auch der Landesvize Achim Kessler, der zugleich Pressesprecher ist – geht es generell um die Berichterstattung des Magazins über die Linkspartei: Während man kaum etwas über die »Positionen und Forderungen« der Partei zu lesen bekomme, würde Berichten über »tatsächlichen oder vermeintlichen Streit in unserer Partei um so mehr Raum« gegeben. Die Klage ist nicht neu, immer wieder haben Linken-Politiker die Berichterstattung des Magazins und seines Online-Ablegers als unfair oder fehlerhaft kritisiert; mehrfach wurden auch Gerichte bemüht – erfolgreich taten dies zum Beispiel Diether Dehm (hier) und Ulla Jelpke (hier).

Nun also ein Offener Brief. Den Hessen-Linken stößt darin vor allem auf, dass sich besagter Beitrag über den angeblichen »Rachefeldzug« aus dem Osten »chauvinistischer Klischees in Bezug auf Geschlecht und Lebensalter von Personen« bediene. In dem Beitrag war mit Blick auf die Aufstellung der Listen für die Bundestagswahl von einem »Zickenkrieg« der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke, Sahra Wagenknecht und Sevim Dagdelen die Rede; außerdem wurde deren Parlamentskollege Wolfgang Gehrcke als »westlicher Fundi-Opa« bezeichnet – was die Autoren des Offenen Briefes als »respektlos« betrachten. Dass Gehrcke in dem Spiegel-Beitrag nachträglich zum »DKP-Chef« befördert wird, welcher er nie war, ist den Hessen-Linken Bestätigung ihrer Auffassung, dass im Spiegel »die Wahrheit keine Rolle spielt, sobald« das Magazin gegen die Linke »zu Felde ziehen« könne. Die Berichterstattung über die Partei sei, so schließt das Schreiben, »mit dem Verfassungsauftrag an die Medien für unvereinbar, an der Willensbildung des Volkes mitzuwirken«. Über eine Antwort aus Hamburg ist bisher nichts bekannt.

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