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DIE LINKE und die Geschichte

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Für die ehemalige DDR-Staatspartei hat die Aufarbeitung der Geschichte und die Selbstverortung in historischen Kontexten eine besondere Bedeutung. Das liegt an ihrem Selbstverständnis. Als Partei mit marxistisch-leninistischer Denktradition ist der historische Materialismus Teil ihres Geschichtsverständnisses. Ferner trägt sie als ehemalige SED eine historische Erblast, die sie nicht nur aufarbeiten will, sondern für die sie dabei sogar das »Aufarbeitungsmonopol« beansprucht.

Die Geschichtsarbeit nimmt für ihre Politiker einen sehr hohen Stellenwert ein ... Die Linke betont, »die kritische und solidarische Auseinandersetzung mit der Geschichte linker Praxis in der DDR und der BRD« sei notwendig für eine veränderte Politik. Geschichtsarbeit sei Voraussetzung und Bedingung »politischen Wirkens in Gegenwart und Zukunft« ... Der Umgang der Linken und ihrer Vorgängerorganisation PDS mit der Geschichte ist ein spannendes, in vielen Facetten schillerndes Thema. Das von der Partei entworfene Geschichtsbild lässt Rückschlüsse auf ihr Selbstverständnis und ihre Verortung im politischen System der Bundesrepublik zu.

Dieses Geschichtsbild und seine politischen Implikationen stehen im Zentrum dieser Untersuchung. Sie misst die Resultate der Partei an den Maßstäben, welche sich die PDS ... selbst gestellt hat: den Bruch mit Stalinismus und Diktatur, eine Abkehr vom Staatssozialismus der DDR und das beharrliche und aufrichtige Streben, das im Namen der SED begangene Unrecht anzuerkennen, es aufzuarbeiten und schließlich so zu überwinden, um demokratische Kraft im pluralistischen Rechtsstaat zu sein... Gerade wegen ihrer großen Popularität im Osten Deutschland ... könnte die Partei einen wertvollen Beitrag zur Einheit und zum inneren Frieden des deutschen Volkes leisten. Jedoch stellte der ehemalige DDR-Historiker Stefan Wolle schon 1990 über die frisch aus der Taufe gehobene PDS fest: »Diejenigen, die früher immer die Geschichte umgeschrieben haben, schreiben nunmehr ihre eigene Geschichte um.«

Aus Christian Lannerts provokantem Buch »Vorwärts und nicht vergessen? Die Vergangenheitspolitik der Partei DIE LINKE und ihrer Vorgängerin PDS« (Wallstein, 292 S., br., 29,90 €).

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