Mörder im Staatsauftrag

Vor 20 Jahren wurden im Berliner Restaurant »Mykonos« kurdische Oppositionspolitiker von einem Killerkommando hingerichtet

  • Von Rainer Funke
  • Lesedauer: ca. 2.5 Min.

17. September 1992, kurz vor 23 Uhr: Im Restaurant »Mykonos« fallen 29 Schüsse. Sadegh Sharafkandi, Generalsekretär der Demokratischen Partei Kurdistans, zwei weitere kurdisch-iranische Politiker und ein Dolmetscher sterben. Sie hatten sich von einer Tagung der Sozialistischen Internationale zu einem Treff zurückgezogen - kurzfristig und geheim.

Die fünf Täter wurden nach Tipps vornehmlich ausländischer Geheimdienste rasch gestellt. Zwölf Monate später begann unter ex᠆tremen Sicherheitsvorkehrungen das Verfahren vor der Gerichtsbarkeit in Berlin-Moabit: 246 Prozesstage, 170 Zeugen, dazu reihenweise Sachverständige, fünf Berufsrichter, drei Ankläger, drei Nebenkläger, zehn Verteidiger.

Als Haupttäter machte das Gericht den in Berlin ansässigen Kazem Darabi aus. Er galt als Vorbereiter und Lenker des Attentats. Geheimdienste nannten ihn einen iranischen Topagenten. Darabi hatte eine konspirative Wohnung für die Attentäter angemietet, Waffen beschafft. Ein Tatverdächtiger belastete ihn und Andere der Gruppe schwer, widerrief aber sein Geständnis. Plausible Alibis gab es nicht.

Nicht wenige der blutigen Spuren führten zur iranischen Botschaft in Bonn und von dort direkt nach Teheran. Mit einem Geheimdossier des Bundesamtes für Verfassungsschutz, das ein Nebenkläger g...

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