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160 Jahre NSG Teufelsmauer im Nordharz

  • Von Uwe Kraus, Thale
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die Felsrippe der Teufelsmauer tritt zwischen Ballenstedt und Blankenburg im Harz auf einer Länge von 20 Kilometern an drei Stellen zu Tage. Die eigentümliche Felsformation war bereits Kulisse für zahlreiche - insbesondere im Mittelalter angesiedelte - Filme. Doch sie ist sehr sensibel und muss geschützt werden.

Es ist das älteste Naturschutzgebiet im Osten und - nach dem »Drachenfels« im Siebengebirge, der 1836 unter Schutz gestellt wurde - deutschlandweit die Nummer zwei: das Gebiet der Teufelsmauer am Nordrand des Harzes. Seit nunmehr 160 Jahren steht die beeindruckende Felsformation aus Quadersandstein bei Weddersleben unter Schutz. Nachdem im 19. Jahrhundert der Sandstein der markanten Teufelsmauer immer mehr abgebaut worden war, da er sich sehr gut als Mauer- und Pflasterstein eignet, ließ am 8. Juli 1952 der Preußisch-Königliche Landrat Weyhe dieses Gebiet unter Naturschutz stellen. Er wollte den Einsturz und die Zerstörung einer »Merkwürdigkeit unserer Gegend« verhindern, hieß es damals im »Gemeinnützigen Wochenblatt für Quedlinburg und Umgebung«.

Rücksichtslose Biker

Das Schutzgebiet wurde später auf das heutige Maß erweitert. So ist es möglich, sich weiter an diesem Kleinod der Natur zu erfreuen. Geologisch Interessierte bezeichnen die Teufelsmauer aufgrund der zahlreich eingelagerten Versteinerungen von Pflanzenteilen und Meerestieren als ein weit aufgeschlagenes Lehrbuch. Die alte Sage dagegen erzählt von einem Werk des Teufels: Dem sollte das Land gehören, das er in der Nacht bis zum ersten Hahnenschrei mit einer Mauer umbauen konnte. Er begann furios, doch am Ende misslang die Sache gründlich.

Bis zu 150 Stunden sind Axel Maikath (63) und Reinhard Sielaff (64) pro Monat an der Felsformation im Einsatz, auch samstags und an Sonn- und Feiertagen. Der eine ist Teufelsmauer-Ranger und der andere Wegewart. Jeden Morgen drehen die Ehrenamtlichen zwischen Papen-, Mittel- und Königsstein ihre Runde. Sie sorgen für Ordnung und Sauberkeit am Teufelsmauerstieg, schauen, dass die Hundebesitzer ihre Lieblinge anleinen, und setzen Hinweisschilder. Die Gemeinde Weddersleben hat den überregionalen Teufelsmauerstieg als attraktiven Wanderweg mitinitiiert.

Doch manche der Besucher können die Wanderweg-Piktogramme dort augenscheinlich nicht deuten. »Die donnern mit Mountainbikes die Stufen herunter. Selbst Motocrosser haben wir hier schon auf den Wegen ertappt«, erzählt Maikath. 90 Prozent der Gäste, die vom Parkplatz an der Friedensbrücke zu ihren Spaziergängen aufbrechen, seien »naturfreundlich«.

Grünes Klassenzimmer

Der Rest hält den Ranger und die 35 Mitglieder des Fördervereins Teufelsmauer auf Trab. An Spitzenwochenenden kommen heute bis zu 3000 Gäste, um die Steingebilde in ihrer bizarren Schönheit zu bewundern. Früher waren es nur gelegentlich einige Schulklassen an ihren Wandertagen.

Auch die Natur habe sich mit den Jahren verändert, Rebhühner verschwanden, erzählt Maikath. Einige Fasane gibt es aber noch. Seit 1972 ist das Klettern an der Teufelsmauer streng untersagt. Schließlich brüten hier Gabelweihen und nisten Uhus, Falken und andere Greifvögel. Sehr zur Freude der Ranger grasen heute auch an die 500 Schafe und einige Ziegen auf den Flächen zwischen den Felsen. Das Gras muss kurz gehalten werden, es verfilzt viel zu schnell. Darunter ersticken dann viele geschützte Pflanzen. Selbst das Heidekraut hat es hier schwer.

Vor einiger Zeit entstand ein Teufelsmauergarten - und damit haben Schulklassen hier ihr Grünes Klassenzimmer. »Da können unsere Besucher alle Pflanzen sehen, die hier heimisch sind und brauchen nicht abseits der Wanderwege durch die Botanik laufen«, heißt es beim Verein.

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