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Der Gewinner ist ... Deutschland

Wie Bundesregierung und Unternehmen vom Euro und sogar von der Krise profitieren

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Des Einen Freud, des Anderen Leid - ein Spruch, der auch für Krisen im Kapitalismus gilt. Und beim weltweiten Standortwettbewerb ist es sogar zwangsläufig so, dass die Überschüsse des einen Landes die Defizite von anderen ist. In der Eurozone kann vor allem Deutschland sehr gut mit dem Status Quo leben.

Die alte D-Mark ist in Deutschland immer noch beliebter als der Euro. Dafür gibt es gute Gründe. Doch Wirtschaft und Staatshauhalt profitieren von der europäischen Gemeinschaft und der jungen Währung wie in keinem anderen Land. Deutsche Firmen werden in diesem Jahr Waren für mehr als eine halbe Billion Euro in die EU verkaufen - ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands machen allein Exporte in andere Länder des Euroraums aus. Obendrein spart Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Milliarden Euro an Zinsen ein - dank der Krise.

Dagegen belasten die Euro-Rettungspakete den Bundeshaushalt kaum: EFSF und ESM bestehen überwiegend aus Bürgschaften. Dafür wird an anderer Stelle abgesahnt. So zahlen Portugal, Irland und Griechenland hohe Strafzinsen für die erhaltenen Hilfskredite. Athens Finanzminister Ioannis Stournaras wird in diesem Jahr schätzungsweise zwei Milliarden Euro Zinsen an den europäischen Finanzstabilisierungsfonds überweisen. Angesichts des deutschen Anteils an diesem Rettungspaket fließen rund 400 Millionen Euro davon in die Kassen des Amtskollegen Schäuble.

Das ist noch längst nicht alles. Griechenlands Finanzminister wird insgesamt rund 15 Milliarden Euro reguläre Zinsen für die Staatsschulden berappen. Davon strömt schätzungsweise die eine Hälfte zu Banken und Versicherungen, die andere zur Europäischen Zentralbank (EZB), die zwischenzeitlich viele Euro-Krisenpapiere angehäuft hat. Über die deutsche EZB-Zweigstelle - die Bundesbank, deren Gewinn großenteils in den Bundeshaushalt wandert - dürften für Schäuble zusätzliche Milliarden herausspringen.

Besonders lohnt sich die Schuldenkrise, die eigentlich eine Bankenkrise ist, für die Regierung Angela Merkels beim eigenen Schuldenmachen. Der Grund: Die Zinssätze für Bundesanleihen stehen seit langem auf Rekordtief. Seit dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise boomt die Nachfrage nach deutschen Schuldentiteln, da Profi-Investoren und Amateuranleger seither in drei sichere Häfen fliehen: Sachwerte wie Immobilien und Rohstoffe, Schweizer Franken - und deutsche Bundesanleihen. Angesichts der großen Nachfrage muss der Bund nur noch Niedrigstzinssätze weit unterhalb der Inflationsrate für neu ausgegebene Papiere anbieten - und doch sind diese x-fach überzeichnet. Mitte Juli liehen Finanzinstitute dem Bund auf einen Schlag 5 Milliarden Euro für zwei Jahre zum historisch niedrigen Zinssatz von 0,0 Prozent.

Selbst Frankreich, das mit Deutschland zusammen in der Champions-League bei Staatsanleihen spielt, muss für frisches Geld ein dreiviertel Prozent höhere Zinsen an Banken und Investoren zahlen. Dieser scheinbar kleine Unterschied zeigt per Zinseszinseffekt große Wirkung. Die Euroflucht in Bundesanleihen beschert CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble eine außerordentliche Zinsersparnis von überschlagsweise 25 Milliarden Euro.

Anderseits, auch dies gehört zur Zwischenbilanz, stehen den vielen Vorteilen milliardenschwere Risiken aus den Staatsschulden-/Banken-Krisen in Irland, Griechenland und Portugal gegenüber.

Auch die Wirtschaft sahnt weiter ab: Deutschland wird in diesem Jahr Waren im Wert von mehr als einer halben Billion Euro in die anderen EU-Länder ausführen - und weit weniger von dort importieren. Während beispielsweise mit China die Handelsbilanz lange Zeit negativ war, wird gegenüber den anderen Euroländern unter dem Strich ein dickes Plus von mehr als 100 Milliarden Euro stehen. Ein Viertel der bundesdeutschen Wirtschaftsleistung machen die Ausfuhren in die Eurozone aus, jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt daran.

Aber was wäre wenn? Die wirtschaftliche Entwicklung mit und ohne Euro durchgerechnet haben die Volkswirte der staatlichen KfW-Bank. Diese kamen zu dem Ergebnis, dass Deutschland durch die Mitgliedschaft in der Eurozone von Mitte 2009 bis Mitte 2011 einen Wachstumsvorteil zwischen 2 und 2,5 Prozentpunkten erreicht hat. »Um diesen Betrag«, so Chefökonom Norbert Irsch, »wäre die wirtschaftliche Leistung weniger gestiegen, wenn wir die D-Mark gehabt hätten.« Mit der alten Währung wären nämlich Zinsen und Wechselkurse deutlich höher ausgefallen. Zu den »strukturell« - so der Fachterminus - niedrigeren Zinssätzen durch den Euro kommt noch der Vorteil einer im Vergleich zur D-Mark-Epoche weicheren Währung. Dank des niedrigeren Wechselkurses des Euro können hiesige Firmen Autos, Medikamente und Werkzeugmaschinen preiswerter im Ausland anbieten. Für den Exportvizeweltmeister ist dies natürlich ein kaum zu überschätzender Heimvorteil.

Und selbst aus der Not der Anderen ziehen deutsche Unternehmen noch Gewinn: Die Zahl gut ausgebildeter junger Griechen und Spanier, die sich in Deutschland um einen Job bewerben, ist seit Beginn der Krise rasant angestiegen.

Insbesondere seit September 2011 ist die Zahl griechischer Migranten nach Deutschland erheblich angestiegen. Nach Angaben des Fördervereins »To Spiti« kommen vor allem Familien mit Klein- und Schulkindern, Alleinstehende und vor allem junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren. Viele haben einen Hochschulabschluss oder eine Fachausbildung.

Siehe Grafik: Zahlen und Fakten zur Eurozone

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