Das unterstellte Leid

MEDIENgedanken: Klischees über Behinderte

  • Von Guido Sprügel
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.

»Tapfer meistert sie ihr Schicksal«, »Leidet an Muskelschwund«, »Führt ein Leben in absoluter Dunkelheit«. Die Liste der Bilder, mit denen Journalisten Behinderung umschreiben, ließe sich beliebig fortsetzen. Ihnen allen ist zu eigen, dass sie beim Leser sofort als bekannt vorausgesetzt werden können. Wie jedem Leser sofort klar ist, was unter einer Regierung »mit der eisernen Hand« zu verstehen ist, so schwingt in vielen Berichterstattungen über Behinderung entweder das »Leid« der Betroffenen oder aber die übermenschliche Stärke mit, mit der sie ihr Schicksal meistern.

»Der Blick auf Behinderung in den Medien ist oft geprägt von einem unglaublichen Leid, das dem behinderten Menschen zugeschrieben wird. Ein Leben gefesselt an den Rollstuhl kann unmöglich glücklich und erfüllt sein«, kommentiert Raul Krauthausen von der Initiative leidmedien.de die weitverbreiteten Behindertenklischees. Zusammen mit anderen Journalisten, Medienscha...

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