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Schlechte Zeiten für Schweizer Raucher

Volksinitiative soll Schutz vor Passivrauchen nochmals verschärfen

  • Von Steffen Klatt, Zürich
  • Lesedauer: 2 Min.
In der Schweiz soll künftig am Arbeitsplatz und an öffentlichen Orten nicht mehr geraucht werden dürfen. Das verlangt eine Allianz aus Ärzten, Verbänden und linken Parteien. Am Sonntag wird abgestimmt. Doch die anfängliche Zustimmung zu der Verschärfung scheint inzwischen zu verfliegen.

Es ist wie immer gewesen: Die Schweiz hat erst lange gezögert und dann um so gründlicher nachgezogen. Erst schauten Schweizer Politiker verwundert auf die Welle von Maßnahmen gegen den Tabakkonsum, wie sie aus den USA über Europa schwappte. Doch als dann selbst der südliche Nachbar Italien die Zigaretten in Restaurants verbot, folgten erst einzelne Schweizer Kantone und dann der Bund.

Seit Anfang 2010 ist der Konsum von Tabak in Gaststätten und an Arbeitsplätzen verboten. Wie auch anderswo wurde dafür das Arbeitsrecht in Anspruch genommen: Das Verbot sollte Arbeitnehmer in den Gaststätten und anderswo schützen.

Nun wollen die Tabakgegner noch weitergehen und selbst die letzten Ausnahmen ausmerzen. »Das Bundesgesetz geht nicht weit genug«, sagt Barbara Weber von der Schweizer Lungenliga. Noch kann nämlich in kleinen Raucherlokalen und in sogenannten Fumoirs geraucht werden. Das sind abgeschlossene Räume in Gaststätten, in denen die Raucher unter sich sind und weiter ihrem Laster frönen dürfen. Damit soll nun Schluss sein. Am Wochenende stimmen die SchweizerInnen über eine entsprechende Volksinitiative ab. Auch in allen öffentlichen Gebäuden - Bahnhöfe eingeschlossen - darf dann nicht mehr geraucht werden.

Die Initiatoren begründen ihren Vorstoß damit, dass der Schutz vor dem Passivrauchen Leben bewahrt. Noch heute sind wegen der Fumoirs 30 000 Mitarbeiter im Gastgewerbe dem Tabak ausgesetzt. Das habe Tausende Herzinfarkte, hundert Fälle von Lungenkrebs und zahlreiche Fehlgeburten zur Folge. Und es kommt noch schlimmer: Die Lobby der Gastwirte wolle den Raucherschutz so weit aufweichen, dass bald wieder die Hälfte aller 220 000 Mitarbeiter in der Branche dem Rauch ausgesetzt wäre.

Tatsächlich haben schon acht der 26 Kantone einen solchen weitergehenden Nichtraucherschutz durchgesetzt. Dennoch lehnen die Regierung und die bürgerlichen Parteien den Vorstoß ab. Der Bund solle sich nicht in die Hoheit der Kantone einmischen. Schon heute sei die Mehrheit der Bevölkerung vor dem Passivrauchen angemessen geschützt, argumentieren sie.

Und die Position der Gegner der Initiative scheint angekommen zu sein: Nur noch 41 Prozent der Schweizer wollen laut einer Umfrage von Anfang September der Initiative zustimmen. Noch einen Monat zuvor waren es 59 Prozent gewesen. Wenn sich der Wind nicht mehr dreht, dürfte die Schweiz auch in Zukunft in Sachen Nichtraucherschutz ein Flickenteppich bleiben. Aber das sind die Schweizer in vielen anderen Bereichen ja schon gewohnt.

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