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Gott lebt schon hier

Schaubude beginnt Spielzeit mit Internationalem Festival »theater 2 +«

Mit »Pauken und Trompeten« beginnt die Schaubude ihre neue Spielzeit. Das passt. Denn die Aufführungen des gleichnamigen neuen Stücks mit dem Künstlerduo Florschütz & Döhnert sind Vorspiel und Start für das Internationale Festival »theater 2 +« des Puppen-, Figuren- und Objekttheaters. Aus Dänemark, Belgien, Italien, Frankreich, aus den Niederlanden und den USA kommen die ausländischen Gäste, um ihre künstlerischen Ideen zum Theater für die Allerkleinsten einzubringen.

In den vergangenen 30 Jahren haben Wissenschaftler entdeckt, dass Kleinstkinder mehr von der Welt wissen, als Erwachsene je gedacht hätten. Darauf beruft sich Silvia Brendenal, künstlerische Leiterin der Schaubude, wenn sie die amerikanische Psychologin Alison Gopnik zitiert: »Sie scheinen von Anfang an bestimmte Ideen zu haben. Teilweise wie Erwachsene, teilweise auch nicht. Also Vorstellungen davon, wie Personen, Dinge und Sprache funktionieren.« Nicht von ungefähr wird deshalb seit mehr als 20 Jahren von Entwicklungspsychologen, Neurologen und Verhaltensforschern die besondere Theaterform mit Interesse begleitet. Die Schaubude veranstaltete 1999 erstmals solch ein Festival.

Diesmal werden vom 28. September bis 4. Oktober sieben Produktionen zu erleben sein, darunter eine Uraufführung, vier Deutschlandpremieren und eine Berlin-Premiere. Kleine Gefühle, Lichterklänge und die Geburt von Farben werden eine Rolle spielen. Die französische Compagnie Lili Désastres gastiert am letzten Festivaltag mit der »Welt kleiner Nichtse«. Und weil sich mitunter Wünsche Erwachsener erfüllen, wird Silvia Brendenal an diesem Tag zum »Chevalier de l'ordre des Arts et des Lettres« (Ritter des Ordens für Kunst und Literatur) »geschlagen«. Anfang Juli wurde ihr der Orden vom französischen Kulturminister zugedacht. Das Festival, hatte Brendenal da gesagt, wäre in Zeit und Ort passend, ihn entgegen zu nehmen, weil die mit der Berliner Schaubude kooperierenden französischen Künstler schließlich ihren Anteil daran hätten.

Während das Kinderprogramm danach seinen »normalen« Gang geht, beginnen auf der Puppenspielbühne die fantastischen Abenteuer für Jugendliche und Erwachsene. In der Schaubude erarbeitet und in Frankreich und Belgien inzwischen bekannt geworden sind die Stücke »Anubis« und »Limen« von Uta Gebert, die am 6. Oktober das Abendprogramm eröffnen. Danach gibt's »Frühstück Spree la Carte«, das sich wie angekündigt wie ein »gestischer« Comic der 60er Jahre darbietet. Hintergründig mit Theodor Fontanes Satz: »Manche Hähne glauben, dass die Sonne ihretwegen aufgeht.« Da lachen ja die Hühner.

Als Berlin-Premiere werden sich »Zwischenfälle« ereignen. In dem Stück unter Regie von Pierre Schäfer träumen zwei alte Herren von einer Reise nach Brasilien. Ohne zu ahnen, dass über ihnen eine Boing 747 flugs nach Rio de Janeiro unterwegs ist. Die Handlung will »die absurden Höhen und Tiefen menschlichen Daseins« durchqueren. Avisiert sind Geschehnisse zwischen Tomatensaft und Turbulenzen.

Außerdem im Programm bis Dezember sind u.a. die Werkschauen »Freaks und Fremde« und »Florschütz & Döhnert«. Es gibt »Odin« nach Motiven des nordischen »Edda«-Mythos zu sehen, Märchen-Adaptionen, Fassungen von Werken Goethes und Puschkins. Fleißig gefeiert wird Ende Oktober »10 Jahre TheaterFusion«, denn das bedeutet, dass die Künstlerinnen auf der Bühne ackern.

Wie versprochen wurde als »Junges Figurentheater« die schwarzhumorige Diplominszenierung »Cirque du Slay« in den Spielplan aufgenommen. Dazu gibt es am selben Abend »Zwiegespräche mit Gott« nach Texten von Ahne. Der Poet bekam heraus, dass Gott ein verdammt schöpferischer Berliner ist, der in der Choriner Straße 61 wohnt. Er probiert dort neue Kreationen aus und verwirft sie mitunter wieder. Diese Wesen sind natürlich echte Berliner, die sofort ihre Klappe aufreißen, um den Schöpfer in unangenehme Gespräche zu verflixten Fragen der Menschheit zu verwickeln.

Himmelkreuzdonnerwetternochmal.

Schaubude Berlin, Greifswalder Str. 81, Tel.: (030) 423 43 14, www.schaubude-berlin.de

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