Hendrik Lasch, Sehlis 28.09.2012 / Inland

Vier Wochen offenes Land

Aus Protest gegen die Residenzpflicht wandern Migranten von Würzburg nach Berlin

Millionen Menschen fliehen weltweit vor Krieg, Armut, Unterdrückung, Naturkatastrophen. An vielen Fluchtursachen sind die reichen Länder des Nordens mitschuldig. Doch die schotten sich ab, mit Militär, Stacheldraht, diskriminierenden Gesetzen. Pro Asyl fordert zum heutigen Flüchtlingstag ein Konzept zur Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. Eine Gruppe Flüchtlinge läuft durch Deutschland: gut 500 Kilometer von Würzburg nach Berlin. Sie wehren sich gegen die Residenzpflicht, auf die sie vier Wochen lang pfeifen.

Hinter Sehlis ist Deutschland ein weites, offenes Land. Der von Schleierwolken überzogene Himmel spannt sich weit über abgeerntete Äcker, die sanft bis zum Horizont hügeln. Heckengesäumte Feldraine und Schweineställe halten den Blick kaum auf. Hoch über Getreidestoppeln kreist ein Bussard. Durch die Furchen läuft eine Gruppe Menschen. Manche schieben Fahrräder, einer trägt eine zusammengerollte Fahne. Trotz der spätsommerlichen Wärme legen sie ein forsches Marschtempo vor. Sie sind das Laufen gewöhnt, und sie genießen es. Obwohl oder gerade weil die meisten von ihnen hier eigentlich nicht sein dürften.

Sehlis liegt in Nordsachsen; das Leipziger Unihochhaus ist von fern zu sehen. Die von Sonne gegerbten, schwarzhaarigen Männer, die über das Feld marschieren, kommen aus Würzburg. Zwischen der fränkischen Stadt und Sehlis liegen rund 300 Kilometer - und viele Grenzen: die der Bundesländer Bayern, Thüringen und Sachsen; die vieler Landkreise. Es sind Grenzen, die für Wanderer unsichtbar und kaum von Belang sind. Es sei denn, es handelt sich um Zuwanderer, die in die Bundesrepublik gekommen sind, um Asyl zu beantragen; so, wie es Sadeh, Farid, Ramin und die anderen in der Gruppe getan haben.

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