Massakrierte Glaubwürdigkeit

MEDIENgedanken: Vermeintliche Augenzeugenberichte und journalistische Sorgfaltspflicht

  • Von Harald Neuber
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Die Nachricht versprach der Indigenen- und Menschenrechtsorganisation Survival International maximale Medienaufmerksamkeit: Im Süden Venezuelas sei eine Gruppe von Mitgliedern der Yanomami-Volksgruppe von Goldschürfern brutal ermordet worden, berichtete die Organisation mit Hauptsitz in London am 29. August. Augenzeugen hätten in der verlassenen Amazonas-Gemeinde Irotatheri »verkohlte Körper und Knochen« gefunden, hieß es in der Mitteilung, deren Duktus nur wenig Zweifel an dem Geschehen aufkommen ließ.

Der Fall fand umgehend nicht nur Eingang in die internationale Presse, er wurde in der heißen Phase der laufenden Kampagne für die Präsidentschaftswahlen in Venezuela am 7. Oktober auch von Gegnern der amtierenden Regierung von Präsident Hugo Chávez genutzt. Während Survival International das mutmaßliche Massaker noch in Anführungszeichen setzte, hinterfragten regierungskritische Medien wie die venezolanische Tageszeitung La Verdad ...

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