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... ist es tatsächlich Alzheimer?

  • Von Hannelore Hoffmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Schlüssel verlegt, Geburtstag vergessen, Namen nicht parat - das passiert im Alltags schnell. Oh je, Alzheimer, heißt es dann oft. Dabei ist eine gewisse Vergesslichkeit ganz normal.
Wenn im Alter die körperliche Belastbarkeit abnimmt, ist das auch normal, keineswegs gilt dies aber zwangsläufig für die geistige Leistungsfähigkeit. Zwar laufen manche Denkprozesse im Alter anders ab, auch langsamer, aber ein fit gehaltener Geist fängt das ab. Ein gesundes Gehirn kann bis ins hohe Alter absolut leistungsfähig bleiben, könnte theoretisch etwa 150 Jahre funktionieren, also länger als der Körper. Statt zu resignieren empfiehlt es sich, die »grauen Zellen« in Bewegung zu halten. Schönes tun, Gesellschaft und geistigen Austausch suchen, aktiv bleiben. Sich gesund zu ernähren und ausreichend zu trinken (2 Liter am Tag) ist wichtig.
Einen Neurologen sollte man konsultieren, wenn eines der folgenden Symptome regelmäßig und verstärkt auftritt:
häufiges Vergessen kurz zurückliegender Ereignisse,
Antriebsschwäche wächst,
Sprach- und Denkprobleme,
gestörter Orientierungssinn, auch in vertrautem Umfeld,
allgemeine Schwierigkeiten, im Alltag zurechtzukommen (z.B. mit Finanzen),
Wechsel von Unrast und Passivität,
Stimmungsschwankungen,
gestörtes Zeitgefühl (auch beim Schlaf-Wach-Rhythmus).
Weil die Kranken die Defizite meist selbst wahrnehmen, leiden sie sehr darunter. Viele versuchen, die Symptome zu verbergen oder ignorieren sie. Deshalb ist die Hilfe der Angehörigen für den Arztbesuch und die frühzeitige Diagnose äußerst wichtig. Sind Alkoholmissbrauch, Medikamente, Depression oder gar ein Tumor als Ursache auszuschließen, ist eine Demenz wahrscheinlich. Neben Osteoporose und Diabetes Typ II gehört sie zu den häufigsten Alterskrankheiten. Oft wird sie nicht erkannt, weil rapider geistiger Abbau als »normale« Folge des Alterns abgetan wird. Leider sind auch viele Mediziner nicht vor diesem Irrtum gefeit.
Demenz entwickelt sich über Jahre schleichend, bei jedem Patienten anders. Doch bereits ein Test mit einfachen Fragen nach Tag, Ort, Datum, Jahreszeit u.ä. kann Aufschluss geben. Bisher sind die Ursachen der Krankheit nicht endgültig erforscht, ist Alzheimer leider nicht heilbar. Jedoch lässt sich der Verlauf verzögern und die Lebensqualität positiv beeinflussen, wenn so früh wie möglich Medikamente gegeben werden. Zu den Antidementiva gehört z.B. Ginkgo als Substanz mit aktivierender Wirkung auf das Gehirn. Wegen des Mangels am Botenstoff Azetylcholin werden zunehmend Cholin-Esterase-Blocker (u.a. Rivastigmin) verordnet.
In Deutschland leiden über eine Million Menschen an Demenz. Bis etwa 2030 werden es doppelt so viele sein. Von den über 65-jährigen ist jeder Fünfte betroffen. Das Wort Demenz kommt aus dem Lateinischen (mens: Geist) und bedeutet ohne Geist oder von Sinnen. Doch die Patienten sind weder verrückt, noch von Sinnen. Vereinfacht gesagt werden Hirnfunktionen beeinträchtigt und geistige Fähigkeiten abgebaut. Eiweißplaques (Beta-Amyloide) lagern sich zwischen den Nervenzellen des Gehirns ab, verursachen ihr Absterben. Beeinträchtigt sind auch die Botenstoffe (Neurotransmitter), die zwischen den Gehirnzellen Informationen übermitteln. Neben der Gabe von Medikamenten ist eine allgemeine Therapie zur Regulierung des Wasser- und Glukosehaushaltes, der Elektrolyte und des Blutdrucks nötig. Eine Psychotherapie sollte geistige Tätigkeiten trainieren und bei der Konfliktbewältigung helfen, denn Erlebnisfähigkeit und Gefühlsleben bleiben erhalten, aber Ängste nehmen zu. Der Kranke braucht für alltägliche Verrichtungen Hilfe der Familie, gegebenenfalls ergänzt durch einen Pflegedienst. Solange wie möglich soll er aber in seiner vertrauten Umgebung bleiben. Leider wird der Alltag des Umgangs mit den Kranken von mangelnder Sensibilität, kargem Wissen, finanziellen Zwängen und unzureichender Information bestimmt.


Deutsche Alzheimer Gesellschaft e. V. Friedrichstraße 236, 10969 Berlin,
Tel. (030)2593795-0,
Fax. (030)2593795-29, E-Mail: info@deutsche-alzheimer.de,
Alzheimer-Telefon: (01803)171017 (9 Cent/Minute)
Alzheimer Angehörigen-Initiative e.V. Reinickendorfer Str. 61, 13347Berlin,
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Fax. (030)47378997,
E-Mail: info@alzheimerforum.de

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