Ohne reguläres Wochenende

Flexible Arbeitszeit verbessert Produktivität

  • Von Andreas Knudsen, Kopenhagen
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Jahrelang als verrückte Idee belächelt, gewinnt ein Gedanke mehr und mehr an Raum nicht nur im Ursprungsland Schweden, sondern auch in Dänemark: Drei Tage arbeiten und drei Tage frei ohne Rücksicht auf die kalendermäßigen Wochenenden und Feiertage. Nur Ostern und Weihnachten sind Ausnahmen.

Der Mann hinter der Idee, Sune Nygren, ist selbst über die plötzliche Woge des Erfolgs überrascht und kommentierte die Nachfrage nach Vorträgen mit den Worten: »Es ist verwirrend, fantastisch und ziemlich erschöpfend. Wenn man jahrelang eine Idee verfolgt, von der die Leute sagen, dass sie verrückt ist, fragt man sich oft: Habe ich Unrecht oder leben die Leute noch in der Vergangenheit?« Nygren konnte vor etwa einem Jahr seine Idee am Altersheim von Lövåsen ausprobieren. Der Erfolg war überwältigend, denn das skeptisch eingestellte Pflegepersonal erlebte plötzlich einen anderen Arbeitsrhythmus, der dem heiligen Wochenende zwar ein Ende bereitete, aber insgesamt mehr Freizeit brachte. Der Krankenstand sank markant mit 70Prozent, während die Arbeit mit mehr Energie und Spaß geleistet wurde. Das System machte es notwendig, dass die Beschäftigten täglich eine halbe Stunde mehr arbeiten, aber durch seinen rollenden Charakter müssen sie insgesamt weniger Stunden leisten. Für den Arbeitgeber gibt es neben geringerem Krankenausfall, wodurch weniger zusätzliche Arbeitskräfte benötigt werden, weitere Vorteile. Der Verwaltungsaufwand für die Planung der Schichten fällt weg, da diese durch einfache Fortschreibung für jeden Beschäftigten von vornherein klar sind. Zuschläge für Wochenend- und Nachtschichten brauchen nicht mehr extra berechnet werden, da sie im Grundlohn einberechnet worden sind. Das Dreitagesystem ist inzwischen an rund hundert schwedischen Arbeitsplätzen vorwiegend im Pflege- und medizinischen Bereich erprobt worden und hat seine Anhänger gewonnen. Einige dänische Arbeitgeber experimentieren gegenwärtig ebenfalls damit, und Nygren ist zuversichtlich, dass auch Norwegen, wo er Vorträge gehalten hat, bald folgen wird. Die gesellschaftlichen Perspektiven und Herausforderungen sind beträchtlich, falls weitere Arbeitsbereiche und die Arbeitsplätze insgesamt auf breiter Front zu einem anderen Arbeitsrhythmus übergehen würden. Kinderinstitutionen müssten ihre Öffnungszeiten natürlich entsprechend verändern, könnten aber ähnlich wie Schulen und Universitäten kleiner gehalten werden, da die Räumlichkeiten täglich genutzt und nicht zwei Tage in der Woche leer stehen würden. Ob die Zahl der benötigten Arbeitskräfte durch die »rollende Woche« steigt, müsste erst noch berechnet werden. Durch ein verändertes Arbeits- und Freizeitmuster würde ein Teil der Verstopfungen im Straßenverkehr wegfallen, während die Einkaufsmöglichkeiten durch liberale Öffnungszeiten in Skandinavien bereits gegeben sind. Der Nachteil insbesondere für Familien könnte darin liegen, dass es schwer wird, alle Fam...

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