Werbung

Dieser Text ist Teil des nd-Archivs seit 1946.

Um die Inhalte, die in den Jahrgängen bis 2001 als gedrucktes Papier vorliegen, in eine digitalisierte Fassung zu übertragen, wurde eine automatische Text- und Layouterkennung eingesetzt. Je älter das Original, umso höher die Wahrscheinlichkeit, dass der automatische Erkennvorgang bei einzelnen Wörtern oder Absätzen auf Probleme stößt.

Es kann also vereinzelt vorkommen, dass Texte fehlerhaft sind.

  • Kultur
  • Festliche Wiedereröffnung der 1987 durch Brandstiftung zerstörten Oper in Frankfurt am Main

Beginn mit einer entzauberten „Zauberflöte“ Mozarts

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Während die festlich geputzten Gäste im Sonnenschein vor der wiedererbauten Oper auf Einlaß warteten, fuhr noch der Lieferwagen einer Schreinerfirma vor, eine Tür oder ähnliches wurde eilends ins Haus getragen. Und auch sonst war hinter den großen Scheiben der Fassade noch allenthalben geschäftiges Treiben zu beobachten. Während vorn Würdenträger, Repräsentanten nebst geschmückten Gattinnen und andere, die sich für wichtig halten, antichambrieren, verschwinden aus dem Hintereingang die Handwerker.

Über 170 Millionen Mark haben die Frankfurter in den Wiederaufbau ihrer Oper, Teil einer Theateranlage, zu der auch das Schauspiel gehört, gesteckt. Das soll nun im Februar 1992 wieder in Betrieb genommen werden. Am 12. November 1987 war alles ein Opfer der Flammen geworden. Ein ehemaliger DDR-Bürger, obdachlos in der Mainmetropole, wollte so auf seine verzweifelte Lage aufmerksam ma-

che/i. Beim festlichen Empfang nach der Eröffnungspremiere mit Mozarts „Zauberflöte“ machten Theaterleute kein Hehl daraus, daß sie die durch den Brand eröffnete Möglichkeit, ihr Haus mit den modernsten Theatertechniken auszurüsten, als Glück im Unglück ansehen. Und auch sonst hat das Haus eine ihm gut bekommene Verjüngung erfahren.

Dieser Eröffnungsabend hatte manches gemeinsam mit der Wiedereröffnung solcher historisch bedeutender Kunstinstitute wie eben der Semperoper oder des Deutschen Theaters – die Erwartungen, die an die erste Inszenierung gestellt werden, wurden nur zum Teil erfüllt. Woran mag's nur liegen, daß die Handwerker und Techniker, die vielen Namenlosen, mit ihrem Können den namhaften Künstlern die Show stehlen? Lags hier daran, daß das Haus zur Zeit ohne festen Intendanten auskommen muß, da sich Generalmanager Ulrich Schwab und Opernchef Gary Bertini verkrachten und

Frankfurt valet sagten? Diese „Zauberflöten“-Inszenierung wird jedenfalls anderen Produktionen des Hauses den Rang nicht ablaufen. Wie negativ sich Führungslosigkeit auf die künstlerische Substanz, das Profil der Theater auswirkt, kann man an ehemals führenden Theatern in Ostdeutschland beobachten.

Waren nach einigen die Öffentlichkeit bewegenden Inszenierungen der vergangenen Jahre die Erwartungen zu hoch? Wolf gang Webers naiv-entzaubernde, die Hintergründe der Oper kaum erhellende, ihre Mehrdeutigkeit kaum reflektierende Inszenierung konnte nicht befriedigen. Da werden in den Chorszenen statisch wirkende Tableaus gebaut, scheint sich die Personalregie darauf zu beschränken, die Auf- und Abgänge der Akteure möglichst gleichmäßig auf die Bühnenseiten zu verteilen. Es dominiert eine manchmal beklemmende Aura von Weihe und Erhabenheit, in der Schönheit an Glanz verliert und Bedrohung' an Schrecken. Alles pegelt sich auf ei-

nen die Ecken und Kanten nivellierenden Durchschnittsgeschmack, einen verbindlichen Märchenton ein, vom musikalischen Konzept Marcello Viottis dabei nach Kräften unterstützt. Unter dessen Leitung wird zwar kultiviert musiziert, doch die von Mozart durchaus komponierten Konflikte, Gegensätze sind hier kaum zu hören. Welch breite, spannungslosen Tempi.

Und die Sänger konzentrierten sich, von Regisseur Weber nicht sonderlich zu großem schauspielerischen Einsatz motiviert und geführt, auf den Schönklang ihrer Stimmen. Die gehörten allerdings zum Erfreulichen. Alle Positionen waren kompetent besetzt. Zuförderst muß Michael Vier als Papageno genannt werden, der auch im Spiel stereotypen Opernsängergestus durchbrach. Ein liebenswerter kleiner Mann sein Vogelfänger, dem man von Herzen ein bißchen Glück gönnt. Douglas Johnson bewältigt seine Tamino-Partie sängerisch, aber gerade er hätte die führende Hand eines Regisseurs ge-

braucht. Auf der großen Bühne steht er manchmal hilflos herum. Matthias Hölle, mit profundem Baß, gibt den Sarastro als Verkörperung des Prinzips Weisheit. Amanda Halgrimson wird für ihre Koloraturen gefeiert. Das Raffiniert-Böse des Charakters der Königin der Nacht jedoch kann sie kaum ausspielen. Die Pamina der Alexandra Coku hat natürlichen Liebreiz, ihr sieht und hört man gern zu. Gesanglich gefallen weiter Franz-Josef Selig (Sprecher), Helena Doese, Margit Neubauer, Christina Papp (die drei Damen), Dieter Bundschuh als Monostatos sowie vom Tölzer Knabenchor Christian Geier, Dominik Licht, Jan Albers. Lob auch dem klangvollen Chor.

Es bleibt nur, dem Frankfurter Opernhaus nach “seiner Verwüstung im zweiten Weltkrieg und der Brandkatastrophe 1987 Glück für die Zukunft zu wünschen. Das schließt die glückliche Hand bei den künstlerischen Unternehmungen ein.

GUNTER GÖRTZ

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen