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Anthrax-Meuterei auf der »Kanimbla«

Australische Matrosen verweigerten Impfung gegen Milzbranderreger

  • Von Michael Lenz, Sydney
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Elf Matrosen der »Kanimbla« und von den beiden anderen australischen Kriegsschiffen im Persischen Golf verweigerten sich Anfang Februar dem Befehl zur Impfung gegen den Milzbranderreger Bacillus anthracis. Die »Meuterei« auf der »Kanimbla« hat der Debatte um die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfstoffe gegen Anthrax neuen Zündstoff gegeben.

Die Soldaten befürchten langfristige Nebeneffekte durch den Impfstoff. Vor allem aber sind die Männer beunruhigt durch Gerüchte und Vermutungen, die Anthrax-Impfung sei eine der Ursachen des als »Golfkriegssyndrom« beschriebenen Krankheitsbildes. Unerklärliche Symptome wie Hautausschläge, Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Gedächtnisverlust und psychische Störungen plagen viele Veteranen des ersten Golfkrieges »Wüstensturm«. Eine 1999 veröffentlichte Untersuchung von 3000 britischen Golfkriegern kam zu dem Ergebnis, dass unter Golfkriegsveteranen »post-traumatischer Stress« doppelt so oft vorkam wie bei Soldaten, die nicht in Kriegsgebieten eingesetzt waren. Ursache der psychischen Erkrankungen von Golfkriegsveteranen sei die Furcht vor der Bedrohung mit chemischen und biologischen Kampfstoffen. Das australische Verteidigungsministerium verteilte verbale Beruhigungspillen an die Truppen, die als Teil der »Koalition der Willigen« Saddam Hussein den Garaus machen sollen. Der Anthrax-Impfstoff sei sicher, wirksam und nicht die Ursache des Golfkriegssyndroms, versicherte Verteidigungsminister Robert Hill. Die Gegenreaktion kam prompt von Kerryn Phelps, streitbare Präsidentin des Ärzteverbandes »Australian Medical Association« (AMA). In der medizinischen Fachliteratur gebe es noch keine ausreichenden Daten zum Beweis der Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes, betonte die Medizinerin. »Wenn das Ministerium neue Daten hat, wären wir froh, diese zu bekommen.« Zwei in den USA und Großbritannien hergestellte Anthrax-Impfstoffe stehen derzeit zur Verfügung. Nebenwirkungen wie Hautschwellungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Appetitlosigkeit würden nach wenigen Tagen abklingen, versichert das Verteidigungsministerium in Canberra. Auch allergische Reaktionen könnten auftreten, würden aber extrem selten sein. Zwar seien für einen zuverlässigen Schutz sechs Impfungen über 18 Monate nötig, heißt es auf der Website der »Australian Defence Forces«. Jedoch sei ein »guter Schutz« schon nach drei Impfungen gegeben. Mehr Aufschluss über das »Golfkriegssyndrom« könnte eine Untersuchung australischer »Wüstensturmveteranen« der Monash Universität in Melbourne bringen. Die Studie wurde jedoch noch nicht veröffentlicht. Mark Bishop, verteidigungspolitischer Sprecher der oppositionellen Labor-Partei, warf der australischen Regierung vor, die Studie unter Verschluss zu halten. Die 1800 untersuchten Militärangehörigen seien hauptsächlich Marinesoldaten gewesen, so Bishop, und anders als die Landeinheiten nicht zusätzlichen Risikofaktoren wie Malaria, Rauch brennender Ölquellen, Geschossen aus abgereichertem Uran oder gefährlichen Sandmücken ausgesetzt gewesen. Jedoch seien alle diese Soldaten gegen die Erreger von Anthrax und Botulinum geimpft sowie vielfach auch mit Pyridostigmin als Prävention gegen Nervengas behandelt worden. »In den USA wird Pyridostigmin als wahrscheinliche Ursache für das "Golfkriegssyndrom" angesehen«, sagte Bishop. Die australischen Anthrax-Meuterer stehen nicht alleine. Mehr als die Hälfte der 16000 britischen Soldaten in der Golfregion habe eine Anthrax-Impfung abgelehnt, berichten britische Medien. In den USA läuft eine Kam...

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