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Moskauer Zeit am Dnjestr

Die Dnjestr-Republik stellt zum Sonntag ihre Uhren zwei Stunden vor und damit provokant auf Moskauer Sommerzeit. Wenigstens in diesem Punkt erfüllt sich bereits der Wunsch des russischen Parlaments nach Selbständigkeit der Brüder und Schwestern im fernen Südwesten. Moldova bleibt beim Stundenabstand, und die Zeiger setzen ein weiteres Zeichen im erbitterten Streit. Die unvermeidliche Verwirrung nach dem Zeigerdreh nimmt man in Kauf.

Ohnehin ist die Lage verfahren genug. Die Rückkehr der Republik zu den rumänischen Wurzeln drängte die slawische Bevölkerung an den Rand. Den Nationalismus der einen beantwortete der der anderen. Bis Blut floß. Wie andernorts in der einstigen Union ging die Wiedererweckung des Nationalstaates

in die Konfrontation von Volksgruppen über. Die Russen gerieten faktisch ins Ausland, wurden zur nicht eben wohlgelittenen Minderheit.

Die Russische Föderation profiliert sich jedoch seit längerem als Schutzmacht. Der Hinweis des Parlamentes, daß man „keine Beziehung zur Teilnahme eigener Bürger an den Ereignissen“ habe und als Mittler zur Verfügung stehe, wird ergänzt durch die Forderung nach „Garantien zur Selbstbestimmung der Bevölkerung im Falle des Status-Verlustes Moldovas als unabhängiger Staat“. Logisch folgt der Vorwurf der Einmischung, und er ist schwer zu entkräften. Zumal dem traditionell russisch dominierten Militär vor Ort strikte Neutralität kaum zu bescheinigen ist. Allzu viele drehen an den Zeigern der Uhren, die für diesmal vorgestellt werden. Und im Herbst?

KLAUS J. HERRMANN, Moskau

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