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Ex-Soldat und Ex-Hitlerjunge

Dieser Tage habe ich den einstigen jüdischen „Hitlerjungen Salomon“ persönlich kennengelernt. Seine in Zelluloid verarbeitete grausamabenteuerliche Geschichte flimmert zur Zeit über Filmleinwände der halben Welt. „Ja“, so erzählt er, „ich bin mit Leib und Seele in die Gestalt des Jungnazis geschlüpft. Anders hätte ich die lebensgefährlichen tödlichen Jahre nicht zu überbrücken vermocht.“ Der blutjunge Sally Perel hat der Wehrmacht eifrig gedient, schließlich wurde er sogar einer Eliteschule des Juden-Massenmörders Hitler für würdig befunden. Jahrzehntelang glaubte Sally seine braune Zwischenkarriere, die ihm trotz Fragwürdigkeit immerhin Überleben ermöglichte, verheimlichen zu müssen. Endlich ist alles heraus. Nur wenige in seiner nunmehrigen Heimat Israel werfen ihm seine Vergangenheit vor.

Wie der Ex-Hitlerjunge Salomon da vor mir sitzt, muß ich an den Ex-Soldaten Just denken. Zwei vor einem halben Jahrhundert kaum dem Knabenalter Entwachsene wurden in massenmörderisches Kriegselend verstrickt. Jeder auf seine Weise und dennoch vergleichbar. Beide wollten im Innersten nur eines: davonkommen, überleben. Dafür standen sie stramm, dachten nicht, an Widerstand. Ich war auch bereits mit 17 Jahren Soldat, allerdings gegen die Hitleristen. Ich hatte im Zwang des Antisemitismus der Weimarer Zeit sehr früh zu denken gelernt. Ich wußte, sich an Beelzebub ausliefern, war kein Ausweg.

Höre ich heute Sprecher einiger jüdischer Institutionen nach Aburteilung von Just rufen, so meine ich, noch anderes wäre dringlich. Höchste Zeit z. B., sich klar und öffentlich von mächtigen Ex-„ Arisierern“ und deren „Gaben“ sowie von den Staatsgrößen zu distanzieren, die mittels „Wiedergutmachungsgelder“ Juden ihrer politischen Mitspracherechte seit langem berauben. Kein einziger Jude wurde im Bonner Staat je an Machthebel gelassen. Wir sollen als Alibijuden gut sein. Hohe Regierungsherren erwarten von uns immer wieder Auslandsängste abbauende Koscherstempel für ihre Restaurationspolitik. Staatsjudentum ist gefragt und wird leider teilweise geboten. Wo blieb zum Beispiel der Aufschrei jüdischer Institutionen, als kürzlich der „Arisierer“ und Ex-Wehrwirtschaftsführer Neckermann hochgelobt und ministeriell begleitet zu Grabe getragen wurde?,Es gilt, endlich, jene „Hohe Herren“ anzuklagen, die von Diehern'des III. Mörderreiches'zu'Mifkonstrukteuren des Bonner Staates wurden, jene schrecklichen Filbinger-Typen! FRITZ TEPPICH

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