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ENTGLEIST

Es gibt vermutlich nur eins, was gefährlicher ist als hinter oder neben einem tonnenschweren Truck auf überfüllten Straßen zu fahren: von ihm überrollt zu werden. Ein Lastkraftwagen aus München drängt sich zur rush hour durch die dickste Verkehrssoße in Ostberlin. Sein Anhänger wechselt spielerisch die Spur. Doch dann blinkt der Trucker noch kurz an und schiebt sich eine Spur weiter nach links. Der Trabi-Fahrer längsseits steht auf dem Mittelstreifen. Brutaler Verdrängungswettbewerb. Niemand hält an. Niemand interessiert sich dafür. Erlebt auf der Berliner Karl-Marx-Allee.

Unterdessen aber Alltag auf städtischen Schleichwegen, Bundesstraßen und Autobahnen. Der „Krieg“ auf unseren Straßen, das normale Autofahren, beansprucht 60 Prozent der menschlichen mentalen Fähigkeiten. Bei dem einen mehr, beim anderen weniger. Jeder Streßfaktor wird da zum Informationskiller. Jede fehlende Information erhöht den Streß, kann tödlich sein. Vorwarnzeichen sind das Übersehen von Verkehrszeichen oder eben schwächerer Verkehrsteilnehmer. Sind wir überhaupt zum Autofahren geboren oder sollten wir doch lieber zu Fuß gehen?

Wir müßten dafür den Gürtel enger schnallen, Konsumverzicht üben. Wir konsumieren von der Ladefläche der LKW. Jedes dritte 1991 im Osten zugelassene Fahrzeug war ein LKW, Sattelzugschlepper, Bus. Zählen Sie mal auf den Straßen mit. Sehen Sie sich in Wohngebieten um. Einerseits halten Forscher 25 Mark für eine Pkw-Laternengarage für den Gipfel alternativer Verkehrspolitik, andererseits sind öffentliche Parkplätze und Straßen immer mehr private Fuhrparks und Werkverkehrswege.

Mit dem Aufschwung kommt der Brummi, schrieb ein Kollege zu Jahresbeginn. Die Laster sind da. Auf den Highways ist die Hölle los. Nur weder wirtschaftlicher Aufschwung noch verkehrspolitischer Umschwung sind spürbar. Wir werden überrollt. HORST

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