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  • Politik
  • ITALIEN: Die Sozialistische Partei steckt in einer tiefen Krise

100 Jahre und kein bißchen weiser

  • Von BRUNO ROMANO, Rom
  • Lesedauer: 2 Min.

Dieser Tage beging Italiens Sozialistische Partei ihr hundertjähriges Bestehen. Anlaß für Freund und Feind, die Erfolge und Mißerfolge einer Partei zu kommentieren, die sich heute in einer schwierigen Situation befindet. Die Welle von Korruptionsskandalen, in die führende Köpfe der SPI verwickelt sind, haben ihr schwer geschadet. Schlimmer noch ist, daß die Parteiführung im Gegensatz zu anderen verwickelten Parteien keinen klaren Trennungsstrich zwischen den korrupten, bestechlichen Vertretern und der „gesunden“ Mehrheit der Mitglieder zieht. Im Gegenteil, an der Tagesordnung sind Zweifel an der Integrität der Justiz. Besonders mit jenem Mann, der in erster Linie für die Aufdeckung der Skandale verantwortlich zeichnet, legen sich die Sozialisten perma-

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Der Untersuchungsrichter ist in Italien die Persönlichkeit des Jahres und genießt größte Popularität. Und gegen ihn hat Sozialistenchef

Craxi im Parteiblatt „Avanti“ einen regelrechten Hetz- und Verleumdungsfeldzug gestartet, ohne jedoch zu verraten, was er ihm eigentlich vorwirft. Weder Di Pietro selbst noch die übergeordneten Justizorgane haben bisher auf die obskuren Attacken reagiert. Craxi hat lediglich erreicht, daß in der Sozialistischen Partei selbst die Unsicherheit gegenüber der eingeschlagenen Taktik wächst und die interne Opposition zunimmt.

Ganz davon abgesehen, daß der allmächtige Parteichef auch den sozialistischen Ministerpräsidenten Amato und den gleichfalls zur SPI gehörenden Justizminister Martelli in größte Verlegenheit gebracht hat. Beide galten bisher als mehr oder weniger getreue Craxianer - Martelli weniger als Amato -, stehen jetzt aber vor der Alternative, entweder die Kampagne gegen Di Pietro zu akzeptieren oder es zu einem Bruch mit der politischen Linie des Parteisekretärs kommen zu lassen. Noch schweigen beide.

Diese Linie hat die Sozialistische Partei isoliert und in eine politische Sackgasse geführt. Keine der anderen Parteien zeigt Verständnis für das Vorgehen. Von verschiedenen Seiten wird sogar vermutet, daß Craxi so nur weiteren persönlichen Belastungen zuvorkommen will. Im Anklagezustand befinden sich ja bereits sein Schwiegersohn Pilitteri, Ex-Bürgermeister von Mailand, und mehrere seiner Freunde. Auch sein Sohn Bobo scheint nun betroffen zu sein.

Verschiedene örtliche Parteiorgane der SPI haben sich jedenfalls eindeutig gegen den von ihrem Parteisekretär eingeschlagenen Weg erklärt. Viele Altsozialisten betonen gerade angesichts des stolzen Jubiläums immer wieder, daß sich Gründervater Nenni wohl im Grabe umdrehen würde, wenn er wüßte, was aus seiner Partei geworden ist. Und Italien wartet jetzt gespannt auf die von Craxi angekündigten Enthüllungen zu Lasten des populären Untersuchungsrichters.

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