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  • Kultur
  • „Gewalt - ohne mich“: zwei Konzerte für Toleranz

Lieder gegen Fremdenhaß

  • Von WOLFGANG HUBNER
  • Lesedauer: 3 Min.

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Gut zu wissen, daß es sie noch gibt, die Anderen. In den letzten Wochen hatten diverse Medien sich und ihre Hörer und Leser fast nur noch mit rechtsradikalen Bands beschäftigt, bei deren Konzerten „Sieg Heil“ gebrüllt und die Hakenkreuzfahne geschwenkt wird. Namen wie „Störkraft“, „Kraftschlag“, „Böhse Onkelz“ machten die Runde.

Am Wochenende gab es Lieder und Rock von der anderen Seite. „Gewalt - ohne mich“ heißt eine Aktion des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg für Toleranz und gegen Fremdenhaß. Musikredakteure des Senders baten Liedermacher und Rockbands aus Ost und West um ihre Teilnahme; zwar nicht alle, aber viele sagten zu. So kam es zu zwei hochkarätig besetzten Konzerten im Potsdam und Berlin.

Es ist vielleicht Zufall, hat aber Symbolgehalt, daß diese Konzerte einige Tage vor den heftig diskutierten Demonstrationen gegen Ausländerfeindlichkeit über die Bühne gingen. Künstler reagierten schon oft sensibler und schneller auf brennende menschliche und politische Probleme. Kein Wunder, daß bei den beiden Konzerten nicht nur gute Musik, sondern auch nachdenkenswerte Sätze

zu hören waren. „Wer immer auf die Fresse kriegt, wir kriegen alle auf die Fresse“, meinte beispielsweise Gerhard Gundermann und ließ den beziehungsreichen Titel „Alle oder keiner“ von seiner jüngsten Platte folgen. Und er fügte hinzu: „Der Satz ,Alle Gewalt geht vom Volke aus' ist ein schöner Traum. Aber er kann auch zum Alptraum werden bei einem Volk, das nicht teilen kann, das nicht verzeihen kann, sondern das sich anstellt, um den entmachteten alten Männern aufs Kopfkissen zu spucken.“

So brachten alle Beteiligten ihre Meinung in Wort und Musik 'rüber. Da war Bekanntes und Neues zu hören. Der (West-)Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann brachte sein eindringliches „Stein auf Stein“, City eine eigene beklemmende Version von Jimi Hendrix' Welthit „He Joe“ („Der alte Klempner“). Die Puhdys spielten „Denk ich an Deutschland“ von ihrer neuen Platte und das rund$0 Jahre ältere „Wenn ein Mensch lebt“, eines der schönsten Liebeslieder des DDR-Rock. Mancher, der damals noch nicht geboren war, sang es mit. „Wenn einem die richtigen Argumente fehlen, hat er noch lange nicht das Recht, die falschen zu benutzen“.

sagte Ex-Karussell-Sänger Dirk Michaelis und spielte Lieder von seiner Solo-LP.

Anders als die Politiker stritt auf der Bühne niemand um Links und Rechts oder den alleinigen Anspruch auf die Wahrheit. Es ging nur um eines: Menschlichkeit. Und musikalisch war Seltenes, vielleicht sogar Einmaliges zu erleben: Ulla Meinecke gemeinsam mit Pankow, nach langer Zeit auch wieder einmal Andre Herzberg mit seiner alten Band, Rio Reiser mit Silly, die eine weitere Rarität beisteuerten: die Uraufführung eines Titels ihrer Anfang 1993 erscheinenden Platte.

Mit allen Beteiligten der Konzerte produzierte die Deutsche Schallplatten GmbH eine CD/MC. Drei Mark von jedem verkauften Exemplar fließen an ein multikulturelles Ausbildungsprojekt im Land Brandenburg. Die Künstler verzichteten auf ihre Gage, und die Veranstalter (der Potsdamer Lindenpark und die HALLE in Berlin-Weißensee) spendeten die Saalmiete. „Der Traum ist aus, aber ich werde alles geben, daß er Wirklichkeit wird“ - diese Zeile aus dem abschlie-ßenden Rio-Reiser-Song hätte auch über dem Abend stehen können.

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