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Auf zum Tanz mit Marx

Die ZDF-Sendung »Unsere Besten« geht morgen in ihr letztes Duell: Die Geschwister Scholl (zuletzt Platz 8) gegen Johann Sebastian Bach (zuletzt Platz 10). Am kommenden Freitag, beim Finale, dürfen noch mal alle Paten für ihre Favoriten werben. So wie die Sendefolgen angelegt sind, machen jeweils die aktuell vorgestellten »Besten« einen Stimmensprung: Luther verbesserte sich in der Sendung am letzten Donnerstag von Platz 6 auf Platz 2, Gutenberg kam vom 10. auf den 5. Platz. Als Gregor Gysi in der zweiten Sendung am 13. November für Karl Marx warb (im Duell mit Focus-Chef Markwort für Bismarck), kam dieser vom zuvor 7. auf den 1. Platz - nach den beiden Folgesendungen ist Marx auf Platz 4 zurückgefallen. Aber: Es darf jederzeit für jeden Kandidaten - nicht nur für die gerade vorgestellten - votiert werden. Marx ist also noch zu helfen. Und dass das Finale ausgerechnet am 28. November zum 183. Geburtstag seines Freundes Friedrich Engels stattfindet, kann dabei zusätzlicher Ansporn und ein Geburtstagsgeschenk für beide großen Theoretiker eines sozialistischen Humanismus sein. In der zweiten Sendung (Duell Marx/ Bismarck) vermeldete ZDF-Moderator Steffen Seibert einen erreichten Stand von über einer halben Million Stimmen, in der vierten und bislang letzten (Luther/Gutenberg) wurde zu Beginn die millionste Stimmenabgabe erwartet, und auch erreicht. Inzwischen wird die Zahl der insgesamt abgegebenen Stimmen bei rund 1,2 Millionen liegen. Wie viele davon jeweils auf die einzelnen Kandidaten entfallen, hat das ZDF bislang nicht mitgeteilt. Jedoch dürfte der zuletzt gemessene Abstand zwischen Karl Marx auf dem vierten und Konrad Adenauer auf dem ersten Platz bei schätzungsweise 100000 bis 150000 Stimmen liegen. Damit lässt sich operativ rechnen, zum Beispiel so: Neues Deutschland verkauft täglich reichlich über 50000 Zeitungen, die von rund 200000 Menschen gelesen werden. Wenn nur die Hälfte der ND-Leserinnen und -Leser für 24 Cent die automatische Wahlregistrierung für Karl Marx anruft - 013769090-98 -, dann dürfte ihm ein Platz unter den »drei Besten« relativ sicher sein. Und da jeder Anruf zählt: Wenn in den verbleibenden fünf Tagen bis zum 28. November jeder täglich einmal »mit Marx telefoniert«, dann kann er mit hoher Wahrscheinlichkeit der Beste werden. Das wären pro Person 1,20 Euro für einen guten Zweck - bei dem die Telekom zwar mit verdient -, der für die politische Atmosphäre dennoch ein kleines, unschätzbares Signal aussendete. Falls jemand sich sorgt, dass mehrfaches Anrufen nicht die feine Art sei: Genauso funktioniert die »Fernsehdemokratie«, sonst wäre mancher nicht mit Drei Akkorden beim Grand Prix gelandet und Daniel Küblböck nicht auf Platz 16 dieser ZDF-Sendung. Oder, um es mit Karl Marx aus seiner Einleitung »Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie« zu sagen: »Man muss diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, dass man ihnen ihre eigne Melodie vorsingt!« Also: Auf zum Tanz mit Marx - die anderen mögen ihm folgen. ND/jrs

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