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  • Kultur
  • Mail Art made in GDR - eine Dokumentation

Post als Medium der Künstler

„ICH SENDE IHNEN EINEN GEDANKEN ZU, BITTE DEN-KEN SIE IHN WEITER“. Aufforderungen wie diese, die der Berliner Grafiker Robert Rehfeldt per Post an Freunde und Kollegen versandte, deuten an, was die verhältnismäßig kleine Schar von Mail Artisten in der DDR mit ihrer Kunst anstrebte: Kommunikation herstellen, Kreativität beweisen sowie kritischen Geist und Zivilcourage bezeugen. Diese Kunstform geht auf eine Idee von Marcel Duchamp aus dem Jahre 1916 zurück, der seine Gedanken per Postkarte an Freunde und Kritiker verschickte. Was zunächst nur als Form des Austauschs ästhetischer Konzepte gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer schier ..unerschöpflichen, ausdrucksmächtigen Kunstform. '-

Über die Schwierigkeiten beim Verbreiten der Wahrheit via Postkasten und die unerwünschte, gleichwohl einkalkulierte Registrierung der Aktivitäten durch die allgegenwärtigen Mitleser im MfS sprachen vergangene Woche die Herausgeber der Dokumentation „Mail Art Szene DDR 1975-1990“ in der Weddinger Buchhandlung Mackensen. Die Buchpremiere brachte sicher keine grundlegenden, überraschenden neuen Erkenntnisse zum Thema Observation mißliebiger Intellektueller, aber

ein Mosaiksteinchen ins große Bild fügte sie schon ein.

Die Herausgeber der Publikation, der Diplomingenieur Friedrich Winnes und der Arzt Dr. Lutz Wohlrab sowie der Grafikdesigner Wolfgang Eigendorf, sind als Mitgestalter der Postkunst-Aktivitäten in der DDR intime Kenner der Szene. Sie konnten bei ihrer Zusammenstellung des Materials auf einen reichen Fundus an Bildmaterial zurückgreifen. Daß mit dem Buch, das bei Haude & Spener erschienen ist, an die anregenden und viele zu eigenem kreativen Tun ermutigenden Leistungen des unlängst verstorbenen Grafikers Robert Rehfeldt erinnert wird, ist mehr als eine schöne Geste.

..Der,. 124 Seiten-umfassende Band enthält neben rund 350 Abbildungen eine Reihe von Texten, die den Leser in die Materie einführen und eine Orientierung an internationalen Entwicklungen ermöglichen. Texte stammen unter anderem von dem Schweizer Künstler und Journalisten M. Vänci Stirnemann und Hans Ruedi Fricker sowie von Klaus Staeck, der den Bogen von der aktuellen Mail Art zurück zum unvergessenen John Heartfield schlägt und so auf wertvolle eigene Traditionen verweist. Das Buch kostet 48 DM.

DIETMAR EISOLD

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