Wenn Masern den Urlaub verderben

6000 Masern-Erkrankungen in Deutschland pro Jahr

  • Von Dr. med. Barbara Voll-Peters
  • Lesedauer: 2 Min.
Obwohl die Weltgesundheitsorganisation das Ziel gesetzt hat, die Masern in Europa bis 2007 auszurotten, sind die meisten europäischen Länder davon weit entfernt. Die Ursache sind niedrige Impfraten. Allein im vergangenen Jahr gab es Masern-Epidemien in Südostspanien, Süditalien und im Schweizer Kanton Wallis, bei denen jeweils zwischen 80 und 1200 Personen erkrankten. Viele von ihnen waren junge Erwachsene, die als Kind nicht gegen Masern geimpft worden sind, und die heute in den touristisch stark erschlossenen Regionen häufig beruflichen Kontakt zu Urlaubern in allen Altersstufen haben. Ebenfalls hoch ist das Risiko, dass sich kleine Feriengäste beim Spiel mit einheimischen Kindern anstecken. Da die Masern bereits ein bis zwei Tage vor Einsetzen des erkältungsähnlichen Vorstadiums und damit bis zu einer Woche vor Erscheinen des Hautausschlags ansteckend sind, lässt sich die heranziehende Infektion nicht frühzeitig erkennen. Bei einer Inkubationszeit von 10 bis 14 Tagen kann eine Ansteckung während des Urlaubs dazu führen, dass die Erkrankung noch am Urlaubsort ausbricht. Dies ist dann mit entsprechenden Schwierigkeiten verbunden. Um dem vorzubeugen, sollte auf einen kompletten Impfschutz geachtet werden. Masern können auch ernste Gesundheitsprobleme hervorrufen. Bei jedem fünften Kind treten Komplikationen auf, am häufigsten sind Mittelohrentzündung, Durchfall und Lungenentzündung. Etwa einer von 1000 Patienten erkrankt infolge von Masern an einer Gehirnhautentzündung, die bei jedem dritten davon Betroffenen tödlich endet und bei jedem fünften zu bleibenden Schäden führt. Vor den Ferien sollten daher die Impfpässe aller Kinder gründlich überprüft und eventuell fehlende Impfungen nachgeholt werden - und zwar auch bei den Kindern, die nicht ins Ausland verreisen, denn in Deutschland werden pro Jahr 6000 Masern-Erkrankungen gemeldet. Von der Ständigen Impfkommission empfohlen ist die zweimalige Impfung gegen Masern im 2. Lebensjahr, die erste Injektion sollte im 12. bis 15. Lebensmonat stattfinden. In den deutschen Bundesländern werden nur Impfraten zwischen 60 und 80 Prozent erreicht - viel zu wenig, um die Infektion auszurotten, wie dies in Finnland gelang. Vor allem die zweite Impfung wird zu sehr vernachlässigt.

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