Opium für das Volk

  • Von Matthias Koch
  • Lesedauer: ca. 1.0 Min.
Sorry, liebe Spanier. Aber das musste sein. Ihr werdet das Ausscheiden schon irgendwie verkraften, darin habt ihr ja in den letzten Jahren reichlich Erfahrung gesammelt. Die Gastgeber-Nation Portugal hätte ein vorzeitiges Scheitern wohl traumatisiert. Als ich am Montag in der Nähe des Stadions kurz vor Mitternacht - fast zwei Stunden nach dem Abpfiff - immer noch portugiesische Anhänger mit Müllfahrern tanzen sah, wusste ich, welcher Stein dieser fußballverrückten Nation vom Herzen gefallen sein muss. Ein Aus des Gastgebers hätte dem Turnier Glanz und Anteilnahme genommen. Mit dem Verbleib von Portugal ist nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Land ins Viertelfinale eingezogen. Wenn die Kicker um Kapitän Luis Figo spielen, hängt das ganze Volk vor Fernsehern und Großbildleinwänden. Leider ist das für viele die einzige Möglichkeit, die EM im eigenen Land mitzuerleben. Bei einem Durchschnittsverdienst von 500 Euro monatlich sind die bis zu 110 Euro teueren Tickets für den Großteil der Einheimischen einfach zu teuer. Insofern ist das Ansinnen von Trainer Felipe Scolari, der dem Volk Opium verabreichen will, nicht schlecht: »Ich habe den Portugiesen versprochen, unter die letzten Vier zu kommen. Das will ich einhalten.« Brasiliens Weltmeister-Coach von 2002 will unter allen Umständen ins Halbfinale. Die portugiesischen Fans werden sich darüber ebenso freuen wie ...

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