Gastgeber in Feierlaune

Gruppe A: Portugal wirft Spanien 1:0 raus / Griechenland ist weiter

  • Von Matthias Koch, Lissabon
  • Lesedauer: ca. 3.5 Min.
Das Drama blieb aus. Gastgeber Portugal kam nach dem 1:0-Erfolg gegen Spanien am Montagabend um den vorzeitigen EM-k.o. herum. Dieser Erfolg löste in ganz Portugal eine unvorstellbare Euphoriewelle aus. In der Hauptstadt Lissabon feierten die Menschen bis in die frühen Morgenstunden ausgelassen den Sieg über den großen Bruder.
Auf den Schnellstraßen und in der City wollte der von einem ohrenbetäubendem Hupkonzert begleitete Autokorso nicht abebben. Wer kein Cabriolet hatte, lehnte sich - in der Regel eine Fahne schwingend - mit dem Allerwertesten so weit wie möglich aus dem Fenster.
Trauer herrscht dagegen in Spanien. Dessen Team muss schon nach der Vorrunde die Heimreise antreten, weil Otto Rehhagels Griechen trotz der 1:2-Niederlage gegen Russland bei Punktgleichheit und gleicher Tordifferenz (0) mit den Spaniern (im Direktduell gab es ein 1:1) die mehr geschossenen Treffer vorweisen können.

Emotionaler Höhepunkt
Das Duell der Iberer im schmucken und reinen Fußballstadion José Alvalade, hier trägt sonst Sporting Lissabon seine Heimspiele aus, war in emotionaler Hinsicht bis dato sicher der Höhepunkt dieser EM. Das portugiesische Fernsehen übertrug schon Stunden vor der Partie zeitweise die Anfahrt beider Mannschaften aus ihren Quartieren live - selbstverständlich aus dem Hubschrauber.
Im Stadion puschten sich die Fangruppen lange vor dem Anpfiff gegenseitig auf. Natürlich waren die rot-grünen Anhänger der Portugiesen den rund 8000 gelb-roten Spaniern unter den gut 52000 Zuschauern zahlenmäßig klar überlegen. Aber die bisherigen Eindrücke in den Gruppenspielen und die Statistik sprachen eher für die Spanier. Diese mussten sich Portugal das letzte Mal im Juni 1981 in Porto mit 0:2 geschlagen geben.

Orkanartiger Jubel
Doch als Nuno Gomez 19 Minuten nach seiner Einwechslung die orkanartig bejubelte Führung (65.) besorgte, begannen all die Zahlenspiele als Schnee von gestern dahin zu schmelzen. Trotz eines folgenden Scheibenschießens auf beiden Seiten - Spanien traf noch zwei Mal das Gebälk, die Portugiesen ließen mehrere Konter aus - bleib es bei diesem etwas glücklichen Resultat für die Gastgeber. »Das Problem ist, dass wir zu wenig Tore schießen. Deshalb sind wir gescheitert«, meinte Spaniens enttäuschter Coach Inaki Sáez. »Was nun aus der Mannschaft und mir wird, ist noch offen.«
Portugals Mittelfeldmann Deco, der zum »Man of the Match« gekürt wurde, sprach in Bezug auf seine Elf von einer »fantastischen ersten Halbzeit«. Doch nach den 1:0 sei es eine andere Partie geworden. Deco: »Das Wichtigste ist jedoch, dass wir uns Torchancen erarbeiten und nutzen können.« Ob das für den Titel reicht, bleibt jedoch fraglich.

Wichtiges 1:2-Anschlusstor
Wie die Portugiesen feierten auch die Griechen. Seit Sonntagabend erfreuen sich die Hellenen an der süßesten Niederlage und dem größten Erfolg in ihrer Fußball-Geschichte. Unmittelbar nach dem Abpfiff des Spiels gegen Russland strömten trotz 1:2-Niederlage tausende Menschen ins Zentrum Athens. Leuchtkugeln zischten in der Luft. Überall wehten blau-weiße Fahnen. Gefeiert wurde natürlich auch der deutsche Trainer: Otto Rehhagel, der Hellas erstmals in das Viertelfinale eines großen Turniers führte.
Rehhagel hatte vor dem Spiel gegen die zuvor zwei Mal schwachen Russen gewarnt: »Keine Überheblichkeit, sonst erleben wir einen Schock.« Und die Russen schockten die Griechen gehörig: Nach einer guten Viertelstunde stand es schon 2:0 für die »Sbornaja« nach Treffern von Kiritschenko und Bulykin. Das Team wollte sich offensichtlich mit einer guten Leistung aus dem Turnier verabschieden und für die bisher gezeigten Leistungen rehabilitieren.
»Ende gut - alles gut« und »Schwamm drüber« - so jubelte der griechischen Rundfunk nach neunzig Minuten, weil Vrizas kurz vor der Pause den so wichtigen Anschlusstreffer herstellte. Denn bei einer 0:2-Niederlage wären nicht die Griechen, sondern die Spanier ins Viertelfinale eingezogen. Filathlos titelte: »Die Nationalmannschaft schickt alle Griechen in den achten Himmel«.


Spanien - Portugal 1:0
Spanien:
Casillas - Puyol, Juanito (80. Morientes), Helguera, Raúl Bravo - Joaquín (72. Luque), Xabi Alonso, Albelda (66. Baraja), Vicente - Raúl - Fernando Torres.
Portugal: Ricardo - Miguel, Carvalho, Andrade, Nuno Valente - Costinha, Maniche - Cristiano Ronaldo (84. Couto), Deco, Figo (78. Petit) - Pauleta (46. Nuno Gomes).
Tor: 0:1 Nuno Gomes (57.) Schiedsrichter: Frisk (Schweden). Zuschauer: 52000 (ausverkauft). Gelb: Albelda (2), Juanito, Puyol / Pauleta (2), Nuno Gomes.

Russland - Griechenland 2:1
Russland:
Malafejew - Jewsejew, Scharonow (56. Sennikow), Bugajew, Anjukow - Gussew, Radimow, Alenitschew, Karjaka (46. Semschow) - Bulykin (46. Sytschew), Kiritschenko.
Griechenland: Nikopolidis - Seitaridis, Dellas, Kapsis, Venetidis (89. Fissas) - Katsouranis, Zagorakis, Basinas (42. Tsiartas) - Papadopoulos (70. Nikolaidis), Charisteas, Vrizas.
Tore: 1:0 Kiritschenko (2.), 2:0 Bulykin (17.), 2:1 Vrizas (43.). Schiedsrichter: Veissière (Frankreich). Zuschauer: 24000. Gelb: Scharonow, Anjukow, Karjaka, Alenitschew...

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