Geteilter Saddam

  • Von Frank Wehner
  • Lesedauer: ca. 1.0 Min.
In acht Tagen ist Irak souverän, und da davon nicht viel zu spüren sein wird, bekommt das Land wenigstens seinen gestürzten Präsidenten Saddam wieder. Zumindest im Prinzip, denn ordentlich beherbergen können ihn nur US-Amerikaner. Folglich wird der Mann geteilt. Juristisch hat ihn die vor allem von Washington erkorene neue irakische Führung, physisch behalten ihn die USA in Haft. Man sieht: Souveränität, die Bush vergibt, ist nicht nur eine ernste Chose, sie kann auch komisch sein. Verulkt fühlen sich jedenfalls all jene, die meinen, das Völkerrecht müsste noch immer halbwegs beachtet werden. Und das besagt: Ein Kriegsgefangener, zu dem Saddam erklärt wurde, muss nun freigelassen werden, es sei denn, ihm wird der Prozess gemacht. Und letzteres wird schwer. Man kann den Ex-Machthaber, wie manche anderen Präsidenten dieser Welt, verabscheuen, so sehr man will - will man ihn richten, muss man seine Schuld beweisen. Warum sein Land verwüstet wurde, können die USA nicht sagen. Und um die in Irak begangenen Verbrechen juristisch wirksam vorzuführen, wurde, seitdem man Saddam aus dem Erdloch zerrte, nicht viel getan. Und so ist auch Bush geteilt, wie Dr. Jekyll und wie Mr. Hyde. Er spricht pathetisch vom Recht, das nun in Irak erblühen wird, jedoch auch im Fall seines Lieblingsfeindes Saddam Hussein verletzt er es auf...

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