Trecker auf Rapsöl-Basis

Diesel-Motoren lassen sich umweltfreundlich umrüsten

  • Von Michael Klarmann, Aachen
  • Lesedauer: 2 Min.
Ist Rapsöl eine günstige und gleichzeitig umweltfreundliche Alternative zum Dieselkraftstoff? In Aachen trafen sich am letzten Wochenende Pflanzenölfahrer zu ihrem dritten Deutschland-Treffen.
Rund 9000 Kraftfahrer betanken in Deutschland ihre Dieselkarossen mit Pflanzenöl. Fast alle gängigen Dieselmodelle können mit speziellen Kraftstofffiltern, Einspritzdüsen und Wärmetauschern zum Erwärmen und Brennbarmachen des lebensmitteltauglichen Öls umgerüstet werden. Der Umbau in Fachwerkstätten kostet zwischen 800 und 3000 Euro. Durch den Preis von 60 bis 65 Cent pro Liter Rapsöl, das im Unterschied zum Biodiesel nicht auf chemischem Wege hergestellt wird, müssten Pkw mit normalem Verbrauch 70000 bis 100000 Kilometer fahren. Danach seien die Umbaukosten ausgeglichen, und das Sparen beginne, erläutert der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes Pflanzenöle, Levon Sergis-Christian.
Die Region Aachen gilt dank der Arbeit des Regioöl e.V. als Vorreiter. Über 250 Pkw werden hier mit Pflanzenöl betrieben. Zapfsäulen gibt es bei Fachwerkstätten. Aber auch die Aachener Stadtbetriebe unterhalten einen eigenen Rapsöltank, denn ein Teil der städtischen Karossen muss betankt werden. Zudem rollt seit einigen Monaten Deutschlands erste auf Pflanzenölbetrieb umgerüstete 25-Tonnen-Kehrmaschine auf den Straßen. »Pflanzenöl ist rund 30 Cent billiger als Diesel - da rechnet sich unsere Investition bereits nach dreieinhalb Jahren«, sagt Aachens Umweltdezernentin Gisela Nacken. Die Kehrmaschine wurde mit einem Zweitanksystem ausgestattet, das bei Pkw kaum noch Verwendung findet. Dabei wird ein zweiter, kleiner Tank für herkömmlichen Diesel, der als Startkraftstoff dient, eingebaut. Wenn der Motor Betriebstemperatur erreicht hat, schaltet das System automatisch auf den Haupttank mit Pflanzenöl um.
Umgerüstet wurde die Kehrmaschine von der Pflanzenöltechnik Nord (PTN). Werkstattleiter Friedrich Heinsen betont, umgerüstete Motoren seien »ebenso leistungsstark wie vorher«, der Verbrauch bleibe konstant. Die in Itzehoe (Schleswig-Holstein) ansässige Firma rüstet auch Sattelschlepperzugmaschinen Für Spediteure rentiere sich das besonders bei längeren Strecken, sagt Heinsen.
Siegfried Hausmann aus Wülfershausen in Bayern rüstet Traktoren unterschiedlicher Größe um. Seine Firma hat auch schon Caterpillar-Ackerfahrzeuge mit 400 PS für 8000 bis 12000 Euro umgebaut. Ebenso wie beim mit Diesel betriebenen Original liege der Verbrauch später bei zwischen 60 bis 80 Litern Rapsöl pro Betriebstunde.
Einige PS-Klassen niedriger mag es Thomas Griese mit seinem umgebauten Privatwagen. Der Staatssekretär im Umweltministerium von Nordrhein-Westfalen nennt drei Punkte, warum Rapsöl als Treibstoff eine »regenerative Alternative« ist. Das Öl sei CO-neutral und sehr umweltfreundlich, es garantiere Unabhängigkeit vom weltweiten Ölmarkt und nutze der Landwirtschaft. Mineralölsteuerfreiheit genieße Rapsöl in Deutschland noch bis 2009.

Informationen unter: http://www.bv-pflanzenoele.de

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