CDU-Fraktionschef beim SS-Treffen

Spree-Neiße-Politiker »wie jedes Jahr dabei«

Heute werden die CDU-Fraktion und der Vorstand der Christdemokraten im Spree-Neiße-Kreis über einen Vorfall beraten, den der Fraktionschef selbst auf dem Kerbholz hat. Er wurde erst jetzt durch einen Brief des SPD-Landrates bekannt. Während in der Normandie jener gedacht wurde, die vor 60 Jahren beim D-Day-Sturm gefallen sind, marschierte Egon Wochatz nach Storkow zu einem zweitägigen Traditionstreffen der 10. SS-Panzerdivision, die sich den Namen des deutschen Landsknechtes »Frundsberg« gegeben hatte. Beides hat miteinander zu tun, denn die »Frundsberg«-SS-Krieger gehörten zu jenen Einheiten, die sich der Befreiungsinvasion entgegen gestellt hatten. Im Mai 1945 endete ihre »Karriere«, als sie - bei Spremberg geschlagen - bei Teplice und Schönau vor der Roten Armee die Waffen strecken mussten. Wochatz findet nichts dabei, an einem solchen Veteranentreffen - mit jugendlichen Nachfolger-Anhang - teilzuhaben. »Wie in jedem Jahr« habe er daran teilgenommen, lässt er sich zitieren. Als er noch Bürgermeister von Spremberg war und den örtlichen Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge mitbegründet hat, seien die persönliche Kontakte entstanden. Zudem sei er als diplomierter Geschichtslehrer von einem »historischen Interesse« getrieben worden. Einschränkend fügt Wochatz an, dass er an der Kranzniederlegung auf dem Soldatenfriedhof nicht teilnahm. Nur gehört habe er, dass dort eine Gruppe jüngerer Leute mit Stahlhelm »unangemessen« zur »Ehrenwache« aufmarschiert sei. Wochatz ist nicht zum ersten Mal in dieser Weise aufgefallen. Als Bürgermeister habe er laut über Gedenksteine für die SS-Leute nachgedacht. Als der algerische Asylsuchende Farid Guendoul/Omar auf der Flucht vor Neonazis in Guben durch eine Glastür sprang und zu Tode kam, sprach der Bürgermeister: »Was hatte der nachts auf der Straße zu suchen?« Dafür sowie für die Bemerkung, dass ein Ausländer, »der hier mit einer verheirateten Frau anbandelt«, damit rechnen müsse, »Ärger zu bekommen«, zeichnete ihn der Brandenburger Flüchtlingsrat mit einem »Denkzettel« aus. Geholfen hats nicht. Brandenburgs Ministerpräsident und SPD-Chef, Matthias Platzeck, findet den jüngsten Vorfall »empörend«. PDS-Landeschef Ralf Christoffers spricht von einem »erschreckend gefährlichen Fall politischer Geschichtslosigkeit« und fordert von der CDU »mehr als nur eine Distanzierung, sondern mindestens Schlussfolgerungen im Amt«.

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