Müllverwerter SVZ hofft auf Investor

Betrieb in Schwarze Pumpe will aus den roten Zahlen kommen

  • Von Klaus Muche
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Erleichtert konnte der Insolvenzverwalter in den Urlaub fahren: Immerhin 18 von 100 angesprochenen Investoren zeigten sich am SVZ in Schwarze Pumpe interessiert. Allerdings hätte das Interesse am insolventen Müllverwerter aus der Lausitz größer sein können. Die Technologie ist einmalig in der Welt. Die Erfahrungen, die noch aus der Zeit des Gaskombinates stammen, sind abgesichert. Die Technologie gilt unter Fachleuten als zukunftsweisend. Dass das Sekundärrohstoffverwertungszentrum noch immer nicht auf die Beine kommt, muss also andere Ursachen haben, als nur schlechtes Management. Als Glücksfall erweist sich zumindest die Lage direkt an der sächsisch-brandenburgischen Grenze. Gemarkungsgrenzen spielten zur Bauzeit der Schwarzen Pumpe keine Rolle. In der Gegenwart kann das SVZ - registriert beim Amtsgericht Cottbus - von dieser Lage profitieren. Erst kürzlich sahen sich beide Regierungen, die von Sachsen ebenso, wie die von Brandenburg veranlasst, dem insolventen Müllverwerter durch die Krise zu helfen. 25 Millionen Euro stellten beide Regierungen bereit, um 348 Arbeitsplätze plus 8 Lehrstellen zu retten. Dabei ist unerheblich, ob die Leute mehrheitlich aus dem brandenburgischen Spremberg oder dem sächsischen Hoyerswerda kommen. Anfang Mai brachte der Kredit die Produktion wieder zum Laufen, konnten die Verträge mit den Mülllieferanten wieder aktiviert werden. Wenigstens zwei der vier Lehrlinge, die gerade vor dem Abschluss stehen, werden erleichtert aufatmen, ihnen brachte der Kredit den erhofften ersten Arbeitsplatz. Weniger glücklich wird das SVZ mit der Rolle, die es in der unsicheren Zukunft spielen könnte. Keine Frage: Müll in Methanol zu verwandeln ist besser als schnöde Verbrennung. Doch immer noch billiger ist es, wie von Vattenfall in Jänschwalde beabsichtigt, Hausmüll als Beimengung zur Braunkohle zu verfeuern. Vattenfall kann dabei jene Grenzwerte voll ausschöpfen, die von der Kohleverbrennung noch bleiben und auf die Toleranz der Anwohner bauen. Das SVZ, so scheint es, wird sich zunächst vom Hausmüllgeschäft verabschieden, liegt doch seine Kernkompetenz eher bei den unappetitlichen Industrieabfällen. Die Technologie ist so ausgelegt, dass es gleichgültig ist, wie giftig die Zutaten sind. Die Endprodukte Methanol (100000 Tonnen pro Jahr) und Energie (75 Megawatt) sind davon nicht beeinflusst. Gerade die Qualität des Methanols hatte viel zu früh Hoffnungen auf eine entsprechende Verwendung geweckt. Schon seit einigen Jahren experimentieren Ingenieure von DaimlerChrysler am Einsatz einer Brennstoffzelle in ihren Fahrzeugen. Dafür sei das Lausitzer Methanol bestens geeignet. Doch bis zum serienreifen Einsatz ist es noch nicht gekommen. So wird sich die Entscheidung des künftigen Investors vor allem um die Frage der Rentabilität drehen und darum, ob es lohnt, noch einmal in die Modernisierung zu investieren. Durch eine Direktverbindung zum Großkraftwerk könnten Kosten gespart werden, die jetzt noch den Weg in die schwarzen Zahlen verbauen. Das allerdings wäre das Geschäft des neuen Investors. Einen Namen konnte Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg nicht nennen, doch ist er optimistisch »noch...

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