Sommer-Panik

Das Wehklagen ist groß: verregneter Sommer, erste Bäder schließen, Feste fallen ins Wasser. Täglich schreien die Morgenmoderatoren nach »Sonne satt« und malen den Tag in den schwärzesten Farben, wenn sie nicht »satt« scheint. Sie treten im 30-Minuten-Takt auf die geschundenen Hörer-Seelen, bis sich auch beim letzten Gutwilligen Depression einschleicht. Dabei sind es nur ein paar Wolken am Himmel, die für Katastrophenstimmung sorgen. Nun ist der Sommer gerade mal ein paar Stunden alt, da kommt schon Panik auf. Und Reiseveranstalter wollen gar eine Urlaubsfluchtbewegungen in den Süden ausgemacht haben, obwohl noch gar nichts passiert ist. Vor einem Jahr übrigens hatten wir am 21. Juni 18 Grad - die gleiche Temperatur wie gestern. Dann folgte ein Sommer, der in seiner Trockenheit und in seiner »Sonne satt« alles in den Schatten stellte. Und die Meteorologen rechneten uns vor, was alles einmalig war an diesem Sommer seit Menschengedenken. Die Folge von »Sonne satt«: Das Getreide verdorrte auf dem Halm, die Kartoffeln blieben Mickerlinge, und das Grün der Bäume verwandelte sich schnell in Graubraun. Und nicht zuletzt die Miniermotte, Feind aller edlen, weiß blühenden Kastanien, war bei ihrem Vernichtungsfeldzug dank der Trockenheit schon weit fortgeschritten. Der Bürger schwitzte, stöhnte und sehnte eine kleine Dusche von oben herbei. Doch die kam und kam nicht. Mit den Dürre-Folgen quälen wir uns noch in diesem Jahr herum. Seien wir also froh, dass es endlich einmal richtig regnet und nehmen das Wetter so wie es ist. Denn eines ist absolut sicher: Die nächste »Sonne satt« kommt bestimmt.

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