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Alarm für Österreichs »Flop-Gun«

Terrorhysterie und Air-Berlin-Maschine gaben Chance für »Beschaffungsevent«

  • Von René Heilig
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.

Weil der Funkkontakt zu einer Boeing 737 unterbrochen war, trat am Dienstag an Österreichs Himmel der Beinahe-Ernstfall ein.

Am Dienstag flog eine Boeing 737 der »Air Berlin« von der griechischen Insel Zakynthos in Richtung Berlin. Über Jugoslawien meldete sie sich nicht auf den Anruf eines Fluglotsen. Davon erfuhr auch Österreichs Luftsicherheitsbehörde »Austro Control«, die die Maschine auf ihren Radarschirmen übernehmen sollte. Um 10.16 Uhr verständigte man das Bundesheer, wurde dort Alarm ausgelöst. In nur vier Minuten war die Abfangrotte in der Luft. Die zwei Saab 35 »Draken«-Jäger fanden die Boeing sogar. Während einer der Jäger im Abstand von 800 Metern sicherte, flog der zweite auf Parallelkurs, um die Kennung des »Urlauberbombers« zu notieren. Just zu diesem Zeitpunkt endete das - Zitat Militärkommando - »technische Gebrechen im Cockpit der Boeing«, man konnte sich wieder über Funk verständigen. Kurz vor der tschechischen Grenze drehte Österreichs Luftmacht ab. »Wieder einmal hat sich unsere Ausbildung in der Luftraum-Überwachung bewährt«, kommentierte Oberleutnant Dieter Springer, einer der beiden Piloten nach der Landung in Linz-Hörsching. Ohne freilich zu erwähnen, wie unsinnig der gesamte Einsatz aus Sicht des Militärs war. Schließlich sah man auf den Radarschirmen, dass die Boeing weder ihren vorgeschriebenen Kurs noch die angewiesene Flughöhe verlassen hat. Der Transponder, der alle notwendigen Daten zur Überwachung enthielt, war eingeschaltet und man hätte die Piloten auch mühelos über die dafür vorgesehene Notfrequenz erreichen können. So genanntes Air-Policing, darum handelt es sich bei der Aktion, ist eigentlich etwas ganz Normales. In den vergangenen fünf Jahren war die rot-weiß-rote Luftwaffe so 67 Mal gefordert. Nun jedoch bekam die Normalität etwas Spezielles. Angesichts der Terrorbedrohung zeigte die ÖVP-FPÖ-Regierung, wie wichtig ihr Beitrag (als Noch-Nicht-Mitglied) an der NATO-Südflanke ist. Verteidigungsminister Herbert Scheibner von der FPÖ beeilte sich mitzuteilen, »wie notwendig es ist, dass es eine funktionierende Luftraumüberwachung gibt, sowohl passiv über das Radar als auch aktiv über Abfangjäger«. Im Lande spöttelt man in Anlehnung auf die auch heiter verfilmten »Top-Gun«-Superflieger der US-Air-Force und US-Navy. Eine rot-weiß-rote »Flop-Gun« sei ja auch was Nettes. Besonders wenn man mitten in der politischen Debatte um die Beschaffung neuer Militärjets steckt. Die »Draken« ist in der Tat nach 30 Jahren zuverlässigem Dienst altersschwach. 2003 ist das Aus des Drachen prognostiziert. Man argumentiert mit Begriffen wie Frieden, Neutralität, Schengen-Vertrag, Kostenminimierung, Arbeitsplätze - und nun auch mit dem Thema Terrorabwehr. Die international führenden Hersteller von Kampfjets geben sich seit drei Jahren in Österreichs Hauptstadt die Klinke in die Hand. Die russischen Aufrüster sind mit ihrem MiG 29-Angebot aus dem Rennen, die USA bieten die F 16 von Lockheed und Boeings F 18. Aus Frankreich wird die Mirage 2000 offeriert, das EADS-Konsortioum wirbt für den Eurofighter. Das Bundesheer tendiert zum Nachfolgetyp der Draken, der Saab »Gripen«. Doch eine derartige High-Tech-Waffe würde Wiens Etat und das Budget des Verteidigungsministers überfordern. Die...

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