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Verliert der Duden sein Monopol?

Fragen an HELMUT WALTHER von der Gesellschaft für deutsche Sprache

Helmut Walther, Jahrgang 1937, sorgt sich seit Jahrzehnten als Redakteur der Zeitschrift

„z>P

dienst“ um die deutsche Sprache. Devise: Sprache ist kein statisches Gebilde, sondern historisch wandelbar.

der Kultusministerkonferenz wurde dann dem Duden das Recht überantwortet, in Zweifelsfällen für die deutsche Rechtschreibung zuständig zu sein. Dieses Verfahren muß

ganz einfach abgelöst werden. Theoretisch kann jetzt jeder Verlag unter marktwirtschaftlichen Bedingungen ein eigenes Buch zur deutschen Sprache machen.

Ist das nicht eine Gefahr fUr die Einheitlichkeit der deutschen Sprache?

Nein, es gibt ja trotzdem amtliche Vorgaben. Dazu wird staatlicherseits eine internationale Kommission beim Institut für deutsche Sprache Mannheim eingerichtet, die mehrmals im Jahr über Sprachänderungen entscheiden wird. Darauf können die Verlage dann zurückgreifen. Der Duden wird natürlich weiterhin führend auf diesem Gebiet sein, weil es die Leute so gewöhnt sind.

Wie sollen die Neuerungen publik gemacht werden?

Die Schule muß dabei eine Vorreiterrolle übernehmen. Wir empfehlen schon jetzt, Fehler, die dann richtig werden, nicht mehr streng anzustreichen. Die Reaktion der Presse ist ebenfalls wesentlich. Spätestens 1997 sollte sie die neue Schreibweise übernommen haben.

Die Reform ermöglicht doch eine große Liberalität in der Schreibweise. Warum gab es trotzdem so viele Proteste?

Die Leute sind verunsichert: sie wollen nicht wählen, sondern sich auf jemanden berufen können. Viele befürchten auch, daß mit den Änderungen ein Kulturverfall verbunden ist. Dabei bleibt die Sprache als solche unberührt. Die Hauptwortkleinschreibung ist ja schon längst nicht mehr im Gespräch. Die Aufgabe unserer Gesellschaft ist es nun, zu zeigen, daß sich gar nicht soviel ändern wird. Dafür haben wir jetzt dieses Buch herausgegeben, das insbesondere auf die Neuerungen hinweist.

Interview: ANNETTE GILBERT Foto: privat

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