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  • Politik
  • In Leipzig sollen über 5000 Wohnungen über Zwischenerwerb privatisiert werden

1735 Wohnungen sind bereits verkauft

Leipzig (ND-Oertel). Der erste große Verkauf von Platten-Wohnungen im Osten wurde in Leipzig-Grünau vollzogen. 1735 Wohnungen hat die Leipziger Wohnungsund Baugesellschaft (LWB) an einen Zwischenerwerber - die zur Berliner Aubis-Gruppe gehörende „Wohnanlage Leipzig Dr. Neuling KG“ - veräußert. Die 1989 gegründete Berliner Immobilienfirma, der der einstige CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Neuling vorsteht, will die Leipziger Neuerwerbungen sanieren und danach vorrangig an Mieter für etwa 2000 Mark pro Quadratmeter verkaufen. Allerdings wird der Zwischenerwerber lediglich verpflichtet, bis zum Jahre 2003 ein Drittel vom übernommenen Wohnungsbestand an die Mieter zu privatisieren. Und die übrigen 70 Prozent? Aubis habe zugesichert, so Barbara TSIeuhäuser von der LWB gegenüber ND, die nicht an Mieter zu verkaufenden Wohnungen nicht weiter zu veräußern.

Der Aufsichtsrat der LWB hat inzwischen weiteren Verkäufen von insgesamt 3294 Wohnungen in Grünau und Neu-Gohlis zugestimmt. Für die Mieter hätte der Vorgang zunächst nur die Konsequenz, daß sie ihre Miete auf ein anderes Konto überweisen müßten, erklärte Frau Neuhäuser. Der Verkauf sei Folge des Altschuldenhilfegesetzes, das man in Anspruch nehme, damit die das Wohnungsunternehmen belastenden Millionen Altschulden halbiert werden können. Im Gegenzug ver-

pflichtet das Gesetz 15 Prozent des Wohnungsbestandes zu privatisieren.

Das umstrittene Zwischenerwerbermodell, das Bundesbauminister Töpfer als mieternahe Privatisierungsform bezeichnet, Mieterverbände und Oppositionsparteien allerdings als Einfallstor in zügellose Verschacherung von Wohnungen sehen, biete die Möglichkeit, die Mieter beim Kauf abzusichern, sagte die LWB-Sprecherin. Die Berliner Immobiliengesellschaft beabsichtige eine preiswerte Sanierung, damit der spätere Wohnungskauf für viele Mieter möglich werde.

Genau das bezweifeln die Grünauer Stadträte der PDS-Fraktion. Viele Leipziger würden sich ihre Wohnungen überhaupt nicht leisten können, erklärten sie. Wenn die LWB 192 Millionen DM für die verkauften Wohnungen erhalte, sei dies nur ein Teil dessen, was der neue Eigentümer den Mietern an Kosten aufbürden werde. Die PDS-Stadträte protestieren, daß die Wohnungsgesellschaft mit den Mietern keine anderen Privatisierungsmodelle erörterte, obwohl auch Grünauer Mieter bereit gewesen seien, eine Wohnungsgenossenschaft zu bilden. Anke Metejka vom Leipziger Mieterverein, dem der vollzogene Verkauf aus der Zeitung bekannt wurde, sieht vor sich einem Berg an Aufklärungsarbeit. Es ginge nicht darum, die Privatisierung zu verdammen, man müsse sich allerdings genauestens anschauen, wie die Mieter abgesichert sind.

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